Start Meinung Was format:c und Gurgl Carat beim Reverse Pitch vorhaben

Was format:c und Gurgl Carat beim Reverse Pitch vorhaben

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Eine Agentur und eine Location planen den „perfekten Event mit exklusiven einmaligen Features“ und bieten ihn als „Premium-Paket“ auf dem Markt an – im Pitch. Inhaltlich können die dafür vorgesehenen Slots von den Kunden frei gestaltet werden – so kann die Veranstaltung beispielsweise sowohl eine Jahrestagung mit Teambuilding als auch ein Incentive mit inhaltlichen Schwerpunkten sein. Entwickelt wurde die Idee eines Reverse Pitch von Natalie Driesnack und Tobias Weber von der Agentur format:c und Felix Kupfer vom Kongress- und Eventzentrum Gurgl Carat, Europas höchstgelegenem Konferenzzentrum in Obergurgl/Österreich.

Wir haben Natalie Driesnack, Tobias Weber und Felix Kupfer über den Reverse Pitch befragt.

BlachReport: Warum seht ihr Pitches als Chance für die Event-Branche, um Veranstaltungen zügig nachhaltiger werden zu lassen?

Tobias Weber: Die größte Chance im Pitch liegt darin, dass dort ja an sich Vorgaben gemacht werden. Das heißt, es wird denen, die an einer Ausschreibung teilnehmen, vorgegeben, welche Kriterien sie einzuhalten haben. Für uns sind das vielfach kreative, budgetäre und inhaltliche Kriterien, die wir dann zu erfüllen haben. Und die Pitches sind natürlich ein ganz großartiges Instrument, auch Nachhaltigkeitskriterien anzusetzen und dabei das komplette Spektrum auch drin zu haben.

Das gilt nicht nur für Nachhaltigkeit im Sinne ökologischer Nachhaltigkeit, sondern auch eine Nachhaltigkeit auf die Menschen bezogen, die an dem Pitch oder später am Event teilnehmen. Das heißt, im Prinzip könnte man sämtliche Nachhaltigkeitskriterien auf Basis der SDGs auch immer sehr intensiv über Pitches als Basis einfordern. Felix Kupfer: Ein guter Pitch kann bereits ziemlich klar einen nachhaltigen Event skizzieren. Für uns ist das auf jeden Fall ein sehr willkommener Anlass, um in solche Pitch-Situationen zu gehen, weil wir eben sehr schnell erkennen, ob ein Event perfekt zu unserer Location passt. Tobias Weber: Heutzutage erleben wir immer noch sehr viele Projekte, die jährlich ausgeschrieben werden. Und hier kann man ebenfalls sehr stark beim Thema Nachhaltigkeit ansetzen. Wenn man viel mehr Projekte über mehrjährige Zeiträume ausschreiben würde, entstehen dabei auch Partnerschaften, die langfristig ganz anderes erreichen können und viel nachhaltiger arbeiten können. Ich bin fest davon überzeugt, dass das stark budgetschonend wäre. Natalie Driesnack: Wir sind das beste Beispiel für eine lange Partnerschaft. Unsere Idee entstand bereits im Jahr 2021 und wir haben das Projekt bis heute verfolgt. Mit ‚The Inside‘ konnten wir sogar noch einen dritten Partner dazu gewinnen. Der Messebauer aus den Niederlanden unterstützt uns bei allen baulichen Maßnahmen für das Projekt, dazu zählt auch unser Messestand auf der IMEX 2023.

Felix Kupfer: Gerade für uns als sehr junge Destination und Start-up sind Pitches natürlich ein gutes Tool, um überhaupt mal zum Zug zu kommen. Dann haben wir als Location die Möglichkeit, mit an Bord zu gehen und dabei zu sein.

Felix Kupfer (Foto: Gurgl Carat)

BlachReport: Was ist ein Reverse Pitch?

Natalie Driesnack: Ein Reverse Pitch dreht die klassische Pitch-Situation, wie wir sie als Agentur oder auch Location kennen, komplett um. Wir haben uns zusammengesetzt und eine Idee gesponnen beziehungsweise ein Konzept aus mehreren Ideen entwickelt. Wir möchten, dass die Kunden sich um einen Event bewerben – also die Situation erleben, die wir sonst als Agentur, Location oder Messebauer hinter uns bringen müssen, um einmal aufzuzeigen, wie viel Energie denn letztlich auch in so einer Situation drinsteckt und welches Entwicklungspotenzial eigentlich schon während des Prozesses entsteht.

Häufig ist es aber so, dass diese kreative Energie ein Stück weit dadurch verschenkt wird, dass die Agentur nur für sich allein irgendwas zusammenstellt und sich damit bei der Ausschreibung bewirbt. Wir stellen den perfekten Baustein als Grundlage zur Verfügung und möchten, dass die Unternehmen sich darauf bewerben und dann gemeinsam mit uns weiterentwickeln.

BlachReport: Warum sollten sich Unternehmen daran beteiligen? Sie sind ja in einer komfortablen Situation. Sie schreiben etwas aus und können sich hinterher dann entscheiden, ob sie überhaupt ein Projekt durchführen oder es einfach lassen.

Tobias Weber: Ich glaube, das sind Formen, die wir so in Zukunft nicht mehr erleben werden. Schon allein aus dem Grund, weil der Branche während der Pandemie unheimlich viel Personal verloren gegangen ist und der Aufwand, der mittlerweile mit Pitches einhergeht, so groß geworden ist, dass er so kaum noch zu managen ist, insbesondere für die kleineren Dienstleister.

Es ist auch nicht besonders nachhaltig, wenn drei, fünf oder noch mehr Agenturen an demselben Pitch teilnehmen und dann jeweils – mehrfach multipliziert – Technik, Dienstleister, Locations und Hoteliers anfragen, um Angebote und um Unterstützung für diesen Pitch bitten.

Da wird unheimlich viel Arbeit für die Tonne geleistet, denn das hilft weder dem Kunden, noch hilft es den Pitch-Teilnehmern. Daraus entsteht auch für den Kunden keine komfortable Situation.

Das Thema Reverse Pitch haben wir natürlich auch mit einem Augenzwinkern entwickelt. Das schafft für alle Beteiligten eine neue Situation und viele Unternehmen werden aufgrund rechtlicher Vorgaben vielleicht so etwas gar nicht machen können. Das ist uns bewusst. Am Ende des Tages ist es ein Experiment mit dem Vorschlag, dass man miteinander reden sollte, um zu besseren Events zu kommen. Felix Kupfer: Ich glaube auch, dass in vielen Locations und Destinationen Event-Konzepte funktionieren können, aber nicht müssen. Pauschale Anfragen werden dem nicht gerecht und können nicht darstellen, dass dann vielleicht Event und Locations nicht zusammenpassen. Was bei uns geht, ist in anderen Locations vielleicht unmöglich. Und umgedreht. Wir haben uns genau überlegt, was wir gut können und was bei uns optimal passt und gemeinsam einen perfekten Event kreiert, auf den man sich bewerben und ihn dann auch kaufen kann.

BlachReport: Wenn ich es richtig verstehe, würden format:c und Gurgl Karat ein einziges Produkt haben und anbieten. Oder ist das ein Verständnisproblem?

Tobias Weber: Würde ich sagen. Unsere Idee sollte mit einem Augenzwinkern bewertet werden. Für die Auftraggeber ist das durchaus eine herausfordernde Situation. Auf der anderen Seite sind wir davon überzeugt, dass wir auf Interesse stoßen. Das es Unternehmen gibt, die sagen, das machen wir jetzt einmal.

Das heißt nicht, dass das ein dauerhaftes Zukunftsmodell ist und wir ab sofort immer mit einem Komplettpaket kommen, welches die Unternehmen dann kaufen können. Uns geht es wie gesagt eher um die Metaebene, um über das Pitch-Thema zu reden und zu schauen, wie können wir mehr daraus machen? Wie können wir das nutzen, um Nachhaltigkeit im MICE- und im Event-Bereich zu fördern?

Mit einem Konzept, um das wir pitchen lassen wollen, könnten wir auch mal zeigen, was möglich wäre, wenn man uns mal laufen ließe. Das fertige Projekt ist schon da, wer will es haben? Und ich glaube, das ist der wirklich smarte Ansatz daran. Wir hoffen natürlich, dass viele Firmen aufmerksam werden und sich bewerben, mit uns diesen Event im Karat durchzuführen.

BlachReport: Also die Idee hat ja durchaus Reize, ich verstehe das schon. Man kauft einen wahrscheinlich gut gestylten, durchkonzipierten und funktionierenden Event zu einem Festpreis. Oder wie sieht das auf der Preisebene aus?

Gurgl Carat (Foto: Gurgl Carat)

Felix Kupfer: Klar gibt es eine Kalkulation, die aber auf Parametern wie Teilnehmerzahlen, Dauer und Aufwand basiert. Wir wollen und können aber dem Kunden seinen Event nicht komplett vorgeben, dementsprechend wird der Endpreis nicht gleich zu Beginn des Pitches fixiert sein. Aber es gibt definitiv Richtlinien, wo das Ganze landet.

BlachReport: Die Ausgangslage ist ja normalerweise so, dass ein Auftraggeber eine Kommunikationsherausforderung hat und im Pitch Ideen, Konzepte und Kalkulationen einfordert. Jetzt gibt es einen Event und die Kommunikationsaufgabe soll darum pitchen. Oder?

Natalie Driesnack: Diese kommunikativen Herausforderungen lassen sich in der Regel segmentieren und werden jetzt auch nicht jedes Jahr neu erfunden. Es geht uns außerdem um eine Basis, die wir entwickelt haben und dann entsprechend angepasst und individualisiert werden kann. Es ist also nicht so, dass wir eine Schublade aufmachen und sagen, das ist der Event.

BlachReport: Ab wann wird dieses Produkt verfügbar sein?

Tobias Weber: Wir planen den großen Launch auf der IMEX vom 23. bis 25. Mai in Frankfurt. Mit der IMEX haben wir einen tollen Partner gefunden, dem die Idee gefiel und der sie so spannend fand, um bei sich auf dem Show Floor eine Plattform für den Launch zu bieten. Das heißt, wir werden dort mit einem Stand vertreten sein, der ein Experiment auch in sich sein wird, weil wir dafür eine sehr kreative und spannende immersive Form gefunden haben.

Unsere Idee ist durchaus erklärungsbedürftig. Deswegen werden wir für zwei Vorträge auf der IMEX am Dienstag und am Mittwoch eine Bühne bekommen, wo wir einen kurzen Impuls setzen und dann in die Diskussion mit den Zuhörern einsteigen wollen. Am Messe-Donnerstag wollen wir Reverse Pitch dann noch mal in einem 45-minütigen Vortrag präsentieren. Das ist aber nur der Launch. Es geht dann weiter mit der Bewerbungsphase, wo sich interessierte Unternehmen melden können.

Und dann gibt es natürlich eine Pitch-Phase, in der die Unternehmen Pitch-Unterlagen vorbereiten und uns dann präsentieren müssen. Wir drehen also wirklich den Spieß um – aber wir machen das so, dass das für die Unternehmen machbar ist.

BlachReport: Gibt es denn bestimmte Formate, für die ein Reverse Pitch insbesondere passt?

Felix Kupfer: Lassen sie sich überraschen. Die Details werden wir in den Pitch-Unterlagen veröffentlichen. Aber die Frage ist berechtigt. Bei uns im Carat gibt es beispielsweise 200 Breakout-Räume, die an einem Seil hängen. Ich glaube, Breakout-Sessions in unseren Gondeln können sehr kreativ und spannend werden, wenn sie zum Thema passen.

Tobias Weber: Für unser Format braucht es kreative Formate und mutige Firmen. Und da ist es dann wichtig, dass der Auftraggeber auch unserer Expertise folgt und diese Ideen auch letztendlich umsetzt. Wir freuen uns auf den Pitch!