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Carsten Knieriem über Digitalisierung und Livekommunikation

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Wir haben bei Carsten Knieriem von der Agentur what when why in Ludwigsburg nach Chancen und Möglichkeiten für die Digitalisierung in der Livekommunikation nachgefragt.

BlachReport: Welche Möglichkeiten bietet die Digitalisierung für eine Effizienzsteigerung in der Livekommunikation?

Carsten Knieriem: Die Digitalisierung bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung in der Livekommunikation. Und das sowohl im Kreationsprozess, inklusive der Analysephase, als auch im Projektmanagementprozess. Und wenn ich nach innen in die Agentur schaue, dann bietet KI & Co. jede Menge ‚Effizienzsteigerungs-Potential‘. Ein tolles Wort. Stichworte sind Automatisierung von Routineaufgaben, wie die Registrierung und Verwaltung von Teilnehmerdaten, Event-Management-Software, CRM-Systeme oder auch Chatbots. Sie helfen, Prozesse zu beschleunigen, Fehler zu minimieren, das Team zu entlasten und auch den Kundenservice in Teilbereichen zu verbessern. KI-Tools sind in allen Phasen des Prozesses – nach innen und nach außen – bereits liebgewonnene Helferlein.

BlachReport: Lässt sich durch digitale Tools die Reichweite von Veranstaltungen erhöhen?

Carsten Knieriem: Absolut. Ganz klar! Reichweite ist der unschlagbare Vorteil digitaler Events. So werden Veranstaltungen einem globalen Publikum zugänglich gemacht. Ich sage immer, dass wir während der Pandemie das interaktive Fernsehen neu erfunden und zur Perfektion geführt haben. Beispielsweise konnten wir bei Veranstaltungen wie dem Dürr Open House 2021, hierfür haben wir den BrandEx Award in Gold für den besten Digital Event gewonnen, und dem Trumpf Jubiläumszyklus im letzten Jahr erfolgreich digitale und hybride Formate einsetzen, um eine viel größere Reichweite zu erzielen. Diese Formate bieten Teilnehmern, die nicht physisch anwesend sein können, die Möglichkeit, dennoch live dabei zu sein und aktiv teilzunehmen.

In meinem Buch ‚Smarte Events‘, welches ich zusammen mit Prof. Stefan Luppold verfasst habe, haben wir schon frühzeitig die vielfältigen Möglichkeiten der Reichweiten- und Wirkungsverlängerung durch Digitalisierung von Events diskutiert. Bei all‘ diesen enormen Möglichkeiten muss aber auch klar sein, dass die Wirksamkeit der realen Begegnung durch nichts zu ersetzen ist. Es kommt bei der Wahl der Mittel also ganz auf die Kommunikationsziele der jeweiligen Events an.

BlachReport: Kann die Teilnehmer-Interaktion auf Events durch digitale Tools optimiert werden?

Carsten Knieriem: Ja, digitale Tools können die Teilnehmer-Interaktion erheblich verbessern, wenn sie gut integriert sind. Event-Apps ermöglichen es den Teilnehmern, sich zu vernetzen, an Umfragen teilzunehmen, Fragen zu stellen und Feedback zu geben. Auch der Einsatz von KI-Tools sowie VR und AR schafft immersive Erlebnisse, die die Interaktion und das Engagement der Teilnehmer fördern. Diese Technologien haben wir erfolgreich in verschiedenen Projekten integriert, um die Teilnehmer aktiv einzubinden und ihnen ein einzigartiges Erlebnis zu bieten. Geschickt integriert, können solche Technologien genutzt werden, um tiefe, bedeutungsvolle und nachhaltige Interaktionen im Gesamtkontext zu schaffen​.

BlachReport: Welche Möglichkeiten zur Nachbearbeitung von Veranstaltungen gibt es durch eine Digitalisierung?

Carsten Knieriem: Spannendes Thema. Mit Hilfe von Datenanalysen können das Verhalten und die Präferenzen der Teilnehmer ausgewertet werden. Wir experimentieren hier bereits und ich weiß von Marktbegleitern, dass diese bereits eigene Tools entwickelt haben. Auch das immer wiederkehrende Thema der Evaluation von Events gewinnt hier mit digitalen Feedback-Tools neue Ansätze. Super interessant wird es bei Entwurf und Distribution der Vor- und Nachkommunikation. Hier bieten KI-Tools sehr effiziente Hilfestellungen und Ansätze.

BlachReport: Ermöglicht die Digitalisierung neue Veranstaltungsformate, die über Live, Hybrid oder Digital hinausgehen?

what when why Geschäftsführer Carsten Knieriem (Foto: what when why)

Carsten Knieriem: Das ist sehr gut denkbar. Und ein lohnendes Gedankenexperiment. Stellen Sie sich vor, dass wir Formate entwickeln, die darauf ausgelegt sind, vollständig personalisierte, immersive und interaktive Erlebnisse für jeden Teilnehmer zu schaffen. Formate, denen es gelingt, sich an die Bedürfnisse und Vorlieben der Teilnehmer anpassen zu lassen. Und wenn diese individuellen Erlebnisse dann noch auf die allgemeinen Kommunikationsziele des Absenders einzahlen – also noch die größere Bedeutungsdimension in Beziehung gesetzt wird – dann würde wohl der perfekte zeitgeistige Event entstehen.

BlachReport: Wie lassen sich mit Datensammlungen fundierte Entscheidungen über die Planung und Durchführung von Veranstaltungen treffen?

Carsten Knieriem: Beim Stichwort ‚Datensammlungen‘ gehen bei mir als allererstes alle Datenschutz-Warnlampen an! Aber ja, wenn die DSGVO hinreichend Berücksichtigung gefunden hat, spielen Daten eine entscheidende Rolle bei der Kreation, Planung und Durchführung von Veranstaltungen. Das fängt bei der Analyse unserer Kunden und der potentiellen Kunden an und geht weiter bei der Analyse potentieller Teilnehmerdaten und auch Rahmenbedingungen. Alles in allem können wir dadurch wichtige Einblicke, Go‘s and No-go‘s erkennen. Das beginnt schon mit der einfachen Frage: ‚Was veranlasst einen potentiellen Gast, Kunden, Multiplikator dazu, an einer bestimmten Veranstaltung teilnehmen zu wollen?‘ Die Analyseergebnisse lassen es zu, Veranstaltungen noch gezielter auf die Bedürfnisse der Teilnehmer auszurichten und wirksame Erlebnisse zu schaffen. Bei digitalen Events ermöglichen uns zudem Echtzeit-Datenanalysen, während der Veranstaltung Anpassungen vorzunehmen und den Erfolg in Echtzeit zu messen.

BlachReport: Welche Möglichkeiten gibt es für die Digitalisierung der Prozesse in einer Agentur?

Carsten Knieriem: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Prozesse in einer Agentur zu digitalisieren. Aber Achtung. Man sollte nicht jede Sau durchs Dorf treiben! Wichtig ist für mich vor allem die ‚Effizienzsteigerungs-Lupe‘! Dies umfasst die Automatisierung von Verwaltungsaufgaben, den Einsatz von Projektmanagement-Tools zur besseren Organisation und Zusammenarbeit sowie die Implementierung von digitalen Marketing- und Vertriebskanälen.

Wir arbeiten zum Beispiel intensiv daran, die Customer Journey bei what when why zu verbessern und zu standardisieren. Außerdem setzen wir auf KI-Tools, die Prozesse, aber auch Arbeitsvorgänge optimieren. Für uns ist klar: Es gibt bereits viele ‚Mega-KI-Tools‘. Jetzt geht es darum, die passenden Tools für den jeweiligen Zweck zu finden, auszuprobieren und zu implementieren. Das wird dann ein wirklich amtlicher Effizienz-Boost!

BlachReport: Welche Nachteile könnten daraus entstehen?

Carsten Knieriem: Ich sehe nur wenige Nachteile. Jedoch viele tolle Chancen für Veränderung. Für mich als Livekommunikations-Experte ist bei aller Digitalisierung – die übrigens in Deutschland viel zu langsam voran geht – eines völlig klar und herausragend wichtig: Gut gemachte Livekommunikation ist und bleib die wirksamste Kommunikationsdisziplin überhaupt. Durch die Ergänzung von digitalen Tools, KI und Co. wird die Livekommunikation aber noch wirksamer werden.

BlachReport: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.