Start Meinung H’Up in Hannover

H’Up in Hannover

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Die Deutsche Messe AG und die Agentur event it, beide aus Hannover, sind mit einem umfangreichen Angebot für Streaming-Events gestartet, das auch Platz und Raum für Live-Veranstaltungen oder hybride Formate bietet. Das H’Up, wie die multifunktionale Eventlocation getauft wurde, ist fest installiert in der Halle 18 auf dem Messegelände in Hannover. Über Möglichkeiten und Strategien des H’Up haben wir mit Daniela Stack gesprochen, Director New Fairs & Events der Deutschen Messe AG.

BlachReport: Welche Erfahrungen brachten die ersten Wochen seit Eröffnung des H’Up?

Daniela Stack: Grundsätzlich brachte die Pandemie große Herausforderungen hinsichtlich Kontakt und Kommunikation – sowohl für die Kunden als auch für uns. Das war die Ausgangslage, die uns zum H’Up brachte. Klar war für uns von Anfang an, dass wir nicht einfach nur ein weiteres Streamingstudio eröffnen wollten, sondern bei uns auf dem Messegelände in Hannover eine optimal erschlossene Location mit funktionellem Ambiente und kompletter Ausstattung für unterschiedlichste Events entstehen sollte. Wichtig war uns daher, dass im Studio beziehungsweise den Räumen nicht nur Streaming möglich ist, sondern es auch in Corona-Zeiten Platz für physische Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen gibt. Nach Corona ist das H‘up dann sogar für 1.400 Personen zugelassen. Mittlerweile haben die ersten Veranstaltungen stattgefunden und das Feedback war durchweg sehr positiv. Kunden schätzen die Eigenschaften des H’Up unter Berücksichtigung von Hygiene, Technik, Raumangebot und Planungssicherheit. Unser Plan, mit verschiedenen Flächen Möglichkeiten für unterschiedliche Formate zu schaffen, ist aufgegangen. Wir sehen die Verbindung dieser beiden Möglichkeiten – also Streaming- beziehungsweise Hybrid-Events und Live-Events – als Besonderheit und USP des H’Up.

BlachReport: Sie haben in einer Messehalle auf einer 3.250 qm großen Fläche fünf Studiokulissen geschaffen, die als ‚The Stage‘, ‚The Lounge‘, ‚The Talk‘, ‚The Product‘ und ‚The MR‘ bezeichnet werden. Welche Veranstaltungsflächen im H’Up erfreuen sich bisher besonderer Beliebtheit?

Daniela Stack: Bisher ist das eindeutig ‚The Stage‘ mit einer Spielfläche von 50 qm, fest installierter Lichttechnik und der hochauflösenden LED-Rückwand. Das ist einfach ein Eyecatcher für prominente Keynote-Speaker und Politiker. ‚The Stage‘ wurde bisher fast immer mitgebucht. Bei kleinen Produktionen gern ‚The Lounge‘ für Gespräche mit Intimität und Gefühl von Vertrautheit. ‚The Talk‘ mit seinen ressourcenschonenden Möglichkeiten ist ebenfalls sehr beliebt.

H‘Up The Talk

BlachReport: Passt das Angebot so oder wurden bereits Wünsche hinsichtlich Ergänzungen geäußert?

Daniela Stack: Im Moment haben wir wieder eine harte Lockdown-Phase, was dazu führt, dass überwiegend Digital-Events stattfinden. Hygiene spielt in dieser Situation natürlich auch eine Rolle, steht aber nicht im Fokus. Dennoch sind wir darauf vorbereitet, dass im H’Up auch Präsenzveranstaltungen sicher stattfinden können – inklusive Schnelltests bei Bedarf und der strikten Einhaltung von Abstandsregeln. Das Angebot war von Anfang an auf Full Service inklusive Location, Technik, Logistik, Ausstattung, Projektmanagement und Medienproduktion ausgerichtet und passt daher, sowohl jetzt als auch in sechs oder neun Monaten.

BlachReport: Nutzen Sie das H’Up auch für eigene Veranstaltungen?

Daniela Stack: Auf jeden Fall. Am 2./3. Dezember fand beispielsweise die Tectide im H’Up statt. Techtide ist der Kongress des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung Niedersachsens zur digitalen Transformation in Wirtschaft und Gesellschaft, der gemeinsam mit der Deutschen Messe AG veranstaltet wird. Die Konferenz zeigt vielfältige Thesen zur Digitalisierung auf und präsentiert zudem beispielgebende digitale Lösungen und aktuelle Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung. Mit mehr als 1.200 registrierten Teilnehmern war die zweite Ausgabe der Tectide ein voller Erfolg. Und wir konnten beweisen, dass die Veranstaltung auch als Online-Format funktioniert.

BlachReport: Kommen die Nutzer des H’Up überwiegend aus der Region oder nehmen sie auch längere Anfahrten in Kauf, um das umfangreiche Angebot nutzen zu können?

Daniela Stack: Wir können die Nutzer des H’Up eigentlich in zwei Gruppen einteilen: Bestandskunden von unseren Messen mit Fokus auf Deutschland und Neukunden aus der Region im Umkreis von 200 Kilometern, die wir für das Angebot gewinnen wollen.

BlachReport: Gibt es eine Langzeitstrategie für die Entwicklung des H’Up oder ist das Angebot eher temporär angelegt?

Daniela Stack: H’Up ist zunächst für zwei Jahre als Business Case geplant. Das Interesse und den Bedarf an hybriden Events bewerten wir als langfristig und glauben, dass das künftig nicht mehr wegzudenken ist. Wir sind schon jetzt sehr glücklich über das zusätzliche Angebot, mit dem wir sowohl parallel zu Messen als auch losgelöst davon als Eventlocation mit einer sehr professionellen Infrastruktur und Verkehrsanbindung punkten können.

BlachReport: Welche Erwartungen haben Sie an die weitere Entwicklung von Messen und Ausstellungen und was bedeutet das für H’Up? Anders gefragt: Könnten irgendwann Content und Verbreitung wichtiger sein als umbauter Raum?

The Stage

Daniela Stack: Als Messeveranstalter muss man sich zwangsläufig mit den aktuellen Entwicklungen beschäftigen. Dafür beobachten wir den Markt sehr genau und haben uns darüber viele Gedanken gemacht und Szenarien durchgespielt: Wo und wie intensiv wollen sich Menschen künftig informieren? Wie verändert sich das Reiseverhalten? Wie verbinde ich den Wunsch nach persönlichen Begegnungen mit Effizienz und Nachhaltigkeit? Wann kann ich meine Orders am besten platzieren? Last but not least: Wie kann ich meine Aussteller dabei unterstützen, ihre Investitionen in einen Messeauftritt durch Erreichen der gesetzten Ziele in Marketing und Sales zu rechtfertigen? Perspektivisch werden sich lange Geschäftsreisen voraussichtlich signifikant reduzieren. Auf der anderen Seite wird es auch weiterhin ein starkes menschliches Bedürfnis nach physischen Treffen geben. Digitale Events sind nicht mehr wegzudenken – haben aber ganz neue Herausforderungen an Produktpräsentation, Inszenierung, Dramaturgie, Schnitt, TV-Feeling, Kunden- und Mitarbeiterintegration. Stillstand oder gar Rückschritt muss unbedingt vermieden werden. Ein mögliches Szenario für die Zukunft könnte unserer Ansicht nach so aussehen, das Live- und Online-Teilnehmer gleiche Möglichkeiten der Partizipation bekommen und sich dafür die Möglichkeiten zur Interaktion deutlich erweitern – zum Beispiel durch Videoschaltungen mit dem Gesprächspartner vor Ort und dem gemeinsamen ‚Gang‘ über die Ausstellungsfläche und zu den Exponaten oder die stärkere Einbeziehung von AR- und VR-Technologien.

BlachReport: Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

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