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KI in der Messewirtschaft: Chancen und Realität

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Im Jahr 2024 wird das Thema Künstliche Intelligenz (KI) die Messewirtschaft erreichen. Einen Ausblick gibt Simone Schiebold, geschäftsführende Gesellschafterin der Kommunikationsagentur für Zukunftsthemen FLAD & FLAD.

Noch war es nur ein Experiment, als das auf LED-Leuchtsysteme spezialisierte Unternehmen Pixlip Anfang 2023 – mit dem Aufkommen der Künstlichen Intelligenz – den ersten KI-generierten Messestand vorstellte und zeigte, wie die Zukunft des Messebaus aussehen könnte. Jetzt, also fast ein Jahr später zeichnet sich ab, welches Potenzial sich durch den gezielten Einsatz der neuen Technologie für die Messewirtschaft ergibt.

Von der Automatisierung bis hin zu einem verbesserten Besuchserlebnis

Es liegt auf der Hand, dass sich dank Künstlicher Intelligenz Messeauftritte noch effizienter gestalten lassen. Schließlich können zahlreiche Aufgaben automatisiert werden – wie die Datenerfassung, Lead-Qualifizierung und Besucherinteraktion. Das spart Zeit und Ressourcen.

Neben einer höheren Effizienz und Kosteneinsparungen kann eine gut integrierte KI zudem das Messeerlebnis für Besucher verbessern. Hierbei sammelt sie bereits im Vorfeld Daten über potenzielle Gäste und analysiert deren Bedürfnisse. So ermöglicht sie Einblicke in das Verhalten und die Interessen der Besucher. Basierend darauf ermittelt die KI, vor welchen Herausforderungen die Zielgruppen stehen, so dass der ausgespielte Content auf der Messe zielgruppenindividuell angepasst werden kann.

Schon bei der Konzeption des Messestands, also bei der Festlegung einer Visitor Journey und der damit verbundenen Auswahl der auszustellenden Produkte oder Dienstleistungen, ermöglicht es KI den Verantwortlichen, an objektiven Kriterien ausgerichtete Entscheidungen zu treffen.

Ganz pragmatisch hilft KI auch beim Planen der Logistik für einen Messeauftritt, um sicherzustellen, dass Materialien und Mitarbeitende pünktlich am Veranstaltungsort eintreffen oder Transportkapazitäten effizient genutzt werden. Insbesondere für wiederkehrende Events können die Lieferketten mittels Machine Learning optimiert werden, indem die Bedarfsermittlung automatisiert aus früheren Veranstaltungen lernt. Dies können etwa sensorgestützte Systeme an Messeständen oder in Veranstaltungshallen sein, die das Besucheraufkommen erfassen und daraus automatisierte Empfehlungen für den Cateringbedarf ableiten oder Matchmaking-Apps, die bei Networking-Events anhand individueller Besucherprofile die vielversprechendsten Business-Kontakte wie in Datingportalen zusammenführen.

KI-Technologien in der Konzeption sinnvoll und benutzerfreundlich einsetzen

Generell gilt es, die Bedürfnisse und Erwartungen der Zielgruppe im Auge zu behalten und sicherzustellen, dass die KI-Technologien sinnvoll und benutzerfreundlich eingesetzt werden. Wie das konkret aussehen könnte? Schon heute können KI-Systeme Texte, Bilder, Powerpoint-Präsentation und sogar Videos erstellen. Was liegt da näher, als dass eine KI anhand von vorgegebenen Kundendaten bereits in der Konzeptionsphase zum Einsatz kommt, um nicht nur das Grafikdesign – wie in oben genanntem Beispiel – zu generieren, sondern grundlegend eine erste Idee für den Messestand zu entwickeln? Basierend auf Vorgaben und Rahmenparametern – wie etwa dem Standgrundriss, der verfügbaren Standfläche, der Auswahl zwischen Systemstand oder einem Designstand, der Anzahl der Besprechungsräume und Sitzplätze oder der Corporate-Design-Farben – kann eine angelernte KI in Echtzeit Visualisierungsvorschläge machen, die als Grundlage für die Feinkonzeption dienen.

Virtuelle Helfer helfen vor Ort

Auf der inhaltlichen Seite lassen sich mithilfe von Künstlicher Intelligenz personalisierte Inhalte und Angebote erstellen, um die Aufmerksamkeit der Besucher zu gewinnen. Zusätzlich beantworten am Messestand eingesetzte Chatbots rund um die Uhr Fragen, stellen Informationen bereit und erfassen Leads. Neben den virtuellen Figuren könnten künftig auf Messen auch KI-gesteuerte Roboter zu finden sein, die die Menschen willkommen heißen, Werbematerialien verteilen oder bei der simultanen Übersetzung von Gesprächen unterstützen.

Für ein optimales Erlebnis der Messebesucher ist es jedoch wichtig, dass virtuelle Charaktere eng mit echten Menschen zusammenarbeiten. Denn nur Menschen besitzen die Fähigkeit zur Empathie und emotionalen Intelligenz sowie zur persönlichen Interaktion. Sie sind zudem besser darin, eine vertrauensvolle Beziehung zu Interessierten aufzubauen.

Vor der Messe ist nach der Messe

Besucher können im Nachgang zur Messeveranstaltung beispielsweise zu themenspezifischen „Closed Rooms“ eingeladen werden, in denen sie in einem Test-Panel branchenrelevante Themen diskutieren, Produktentwicklungen anhand von ganz konkreten Anforderungen begleiten und ihre Perspektive einfließen lassen. Ganz im Sinne der Customer Centricity stehen Kunden so im direkten Austausch mit Unternehmen und können Lösungen aktiv mitgestalten. KI-Systeme ermöglichen hierbei eine nachgelagerte Kundenbindung auf Grundlage der erfassten Interessen und Bedürfnisse. Damit schließt sich der Kreis. Besucher an sich zu binden, gelingt am besten mit hybriden Experiences. Geschickt kombiniert, sind Online- und Offline-Touchpoints am besten dazu geeignet, eine nahtlos gestaltete Customer Journey zu realisieren.

Insgesamt zeigt sich, dass KI im Messewesen weit mehr als nur eine technische Spielerei sein kann. Sie eröffnet neue Dimensionen in Bezug auf Reichweite, Effektivität und Kundenbindung und hat das Potenzial, die Messewirtschaft nachhaltig zu verändern.

(Gastbeitrag: Simone Schiebold von der Agentur FLAD & FLAD)