Am 14. November 2025 haben wir an dieser Stelle beschrieben, wie KI die Strukturen von Eventagenturen verändern wird. Knapp ein Jahr später bekommt die Debatte eine neue Schärfe: Es geht um Margen, Marktpositionen und die Frage, welche Agenturen künftig noch wofür gebraucht werden (hier geht es zum Beitrag aus dem letzten Jahr).
Das Research- und Beratungsunternehmen Forrester erwartet in seinen „Predictions“ für 2027 eine stärkere Aufteilung zwischen Agenturen, die Leistungen ausführen, und solchen, die Menschen, Daten, Technologie und Veränderungsprozesse steuern. Die Prognose betrifft Marketingagenturen insgesamt. Für die Livekommunikation ist sie ein deutliches Signal. Auch hier beruht die Kalkulation häufig auf einem Modell, dessen Grundlage KI angreift: dem „Verkauf“ von Arbeitszeit.
Konzepte, Präsentationen, Texte und Varianten entstehen schneller. Kunden übernehmen mehr Aufgaben selbst. Damit wächst der Rechtfertigungsdruck auf Honorare. Effizienz allein sichert keine Marge. Wer bislang Aufwand berechnet hat, muss künftig Wirkung begründen können. Die eingesparte Stunde ist für die Agentur zunächst einmal eine Stunde, die sie nicht mehr berechnen kann.
Wie weit der Umbau reichen könnte, zeigt eine Zahl aus Sekundärberichten zu Forresters Predictions: 20 Prozent der weltweit geschätzt 50.000 unabhängigen Agenturen könnten 2027 übernommen, verkleinert oder geschlossen werden. Das ist eine Prognose, keine gemessene Marktentwicklung. Ihre Methodik ist öffentlich nicht ausreichend nachvollziehbar. Daraus lässt sich keine Ausfallquote für deutsche Eventagenturen ableiten. Als Warnsignal für wachsenden Preis- und Positionierungsdruck verdient sie dennoch Aufmerksamkeit.
Für deutsche Eventagenturen wird damit eine unbequeme Frage dringlicher: Was genau macht uns schwer ersetzbar? „Full Service“ liefert darauf kaum noch eine Antwort. Ein breites Angebot schützt wenig, wenn Kunden seine Bestandteile günstiger einkaufen oder selbst herstellen können. Branchenkenntnis, eigenständige Ideen, eigene Methoden und belastbare Kundenbeziehungen schaffen eine bessere Verhandlungsposition. Ebenso die Fähigkeit, Livekommunikation mit Kundendaten, Vertrieb und Unternehmenszielen zu verbinden.
Dabei bleibt die Qualität der Umsetzung entscheidend. Begegnungen entstehen vor Ort. Verantwortung für Dramaturgie, Abläufe und Menschen lässt sich nicht an ein Sprachmodell delegieren. Darin liegen auch für spezialisierte Produktionspartner Chancen. Ein Schutzschild für jede Leistung rund um eine Veranstaltung entsteht daraus allerdings nicht.
Bis 2028 dürfte der Markt durch Übernahmen, Beteiligungen und Netzwerke vielfältiger werden. Nicht jede Agentur braucht dafür „Full Service“, ein großes Team, eine eigene Softwareplattform. Jede muss aber prüfen, welche Leistung künftig ihre Marge trägt, welche Kompetenz fehlt und wo Partnerschaften sinnvoll sind.
KI einzuführen ist eine betriebliche Entscheidung. Den eigenen Wert neu zu bestimmen, ist eine unternehmerische. Wer darauf nur mit einem neuen Werkzeug antwortet, greift zu kurz. Zur Debatte steht längst das Geschäftsmodell.
Herzlichst, Peter Blach















