Start Meinung Derse: Bettina Hemberger und Felix Börner ziehen Jahresbilanz

Derse: Bettina Hemberger und Felix Börner ziehen Jahresbilanz

129

Seit einem Jahr führen Bettina Hemberger und Felix Börner gemeinsam die Geschäfte von Derse Germany. Im Interview mit BlachReport sprechen sie über das Wachstum der Production Agency, den transatlantischen Markt, steigenden Budget- und Zeitdruck sowie die Rolle von KI und emotionalen Markenerlebnissen.

BlachReport: Sie stehen seit fast einem Jahr gemeinsam an der Spitze von Derse Germany. Mit welchen Erwartungen sind Sie gestartet – und was hat Sie in dieser Zeit am meisten überrascht?

Felix Börner: Seit zweieinhalb Jahren sind wir mit Derse Germany am Markt und wachsen kontinuierlich. Dass unsere Positionierung als Production Agency so punktgenau und positiv aufgenommen wird, hat unsere Erwartungen sogar noch übertroffen. Der Starterfolg von Derse Germany ist vor allem auf dem Vertrauen unserer Kunden zurückzuführen und darauf bauen wir auf.

Bettina Hemberger: Unser Ziel war von Beginn an klar: eine verlässliche Brücke für den transatlantischen Markt zu schlagen – für deutsche Projekte in den USA wie auch für US-Kunden in Europa. Dass die Nachfrage nach genau dieser internationalen Schnittstellen-Expertise so schnell anzieht, bestätigt unseren Kurs vollkommen.

BlachReport: Wenn Sie auf die vergangenen zwölf Monate zurückblicken: Welche Meilensteine machen Sie besonders stolz?

Felix Börner: Allen voran unser starkes Team. In einem dynamischen Umfeld die richtigen Köpfe zu finden, ist eine Herausforderung – umso mehr stolz sind wir auf die Mannschaft, die wir geformt haben. Zudem konnten wir unseren Kundenstamm substanziell erweitern und hochkarätige Projekte dies- und jenseits des Atlantiks erfolgreich realisieren.

Ein sichtbarer Meilenstein war der Bezug unseres ersten eigenen Büros im Herzen von Hamburg. Das war nicht nur logistisch ein wichtiger Schritt, sondern sendet auch ein hohes Signal nach außen: Derse Germany ist angekommen, wächst und bleibt auf Zukunftskurs.

BlachReport: Gab es Herausforderungen, die Sie in dieser Form nicht erwartet hatten? Und was haben Sie daraus gelernt?

Bettina Hemberger: Die Intensität des spürbaren Budgetdrucks bei steigenden Kosten in der gesamten Branche – kombiniert mit immer kürzeren Vorlauf- und Reaktionszeiten seitens der Kunden. Projekte, die früher monatelang geplant wurden, erfordern heute agile Ad-hoc-Lösungen. Die Kunst besteht darin, Qualität und Kreativität auch unter extremem Zeit- und Kostendruck kompromisslos hochzuhalten.

Unsere wichtigste Erkenntnis: Maximale Flexibilität und flache, schnelle Entscheidungswege sind unverzichtbar. Wir reagieren extrem agil, ohne dabei von unseren Qualitätsstandards abzuweichen. Der intensivere Recruiting-Aufwand hat sich ausgezahlt: Wir haben heute ein belastbares, hochqualifiziertes Team, das genau für diese neue Marktrealität gemacht ist.

BlachReport: Die Livekommunikation verändert sich rasant. Welche Entwicklungen erleben Sie derzeit bei Ihren Kunden besonders deutlich?

Bettina Hemberger: Die Planungsfenster schrumpfen extrem. Umso entscheidender ist es, dass wir von Beginn an strategisch-beratend an Bord sind – insbesondere bei der Prüfung der Machbarkeit innerhalb der Budgets.

Felix Börner: die Livekommunikation gewinnt im Mix stark an Bedeutung: Je digitaler unser Alltag wird, desto größer ist die Sehnsucht nach physischen, emotionalen Markenerlebnissen, die im Gedächtnis verankert bleiben.

BlachReport: Welche Themen beschäftigen Ihre Kunden aktuell am stärksten? Geht es vor allem um Effizienz, Nachhaltigkeit, KI oder die Frage, wie sich echte Markenerlebnisse schaffen lassen?

Bettina Hemberger: Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sind Grundvoraussetzungen und begleiten jedes Projekt.

Im Fokus steht jedoch die Verbindung von KI und emotionaler Experience. KI steigert unsere Effizienz in Prozessen enorm – die Kernfrage bleibt aber: Wie übersetzen wir das in ein echtes, berührendes und nachhaltiges Markenerlebnis?

BlachReport: Künstliche Intelligenz verändert auch die Experience-Branche. Wo schafft KI bei Derse heute bereits echten Mehrwert – und wo bleibt der Mensch unverzichtbar?

Felix Börner: KI beschleunigt Prozesse, ignoriert aber oft die praktische Machbarkeit. Frei nach Google-Designerin Khyati Trehan ist KI kein Ersatz, sondern ein Katalysator menschlicher Kreativität. Sie zwingt uns zur Fokussierung auf das, was Maschinen nicht leisten können: echten menschlichen Mehrwert.

KI strukturiert und vervielfacht unser internes Wissen, macht es ortsunabhängig nutzbar und erweitert unseren kreativen Aktionsradius. Was KI nicht ersetzen kann, ist menschliche Urteilskraft, Empathie und Experimentierfreude – im Bereich der Experiences der entscheidende Differenzierungsfaktor.

BlachReport: Sie haben im vergangenen Jahr zahlreiche Projekte begleitet. Gibt es ein Beispiel oder eine Erkenntnis, die besonders gut zeigt, wohin sich die Branche entwickelt?

Bettina Hemberger: Formate wandeln sich: Purpose, emotionale Relevanz und klare Messbarkeit stehen heute im Mittelpunkt. Wir haben für uns genau dieses Feld besetzt.

Felix Börner: Ein perfektes Beispiel ist unsere Aktivierung für Tamaris: Nach der 360-Grad-Tour mit Helene Fischer sind wir auf die Festivals Parookaville und San Hejmo gegangen – mit einem mutigen Konzept völlig ohne physisches Produkt. Unter dem Claim ‚Step into your perfect moment‘ lag der Fokus rein auf unvergesslichen Emotionen.

BlachReport: Führung verändert sich ebenso wie Märkte und Kundenanforderungen. Was haben Sie persönlich in Ihrem ersten Jahr als Geschäftsführer gelernt?

Felix Börner: Führung braucht aktives Zuhören, aber vor allem Haltung und klare Orientierung. Man muss sein Team individuell fördern, Rückgrat zeigen und bei Bedarf auch unbequeme Entscheidungen konsequent treffen.

Die Zusammenarbeit mit unseren Teams in Polen und den USA bereichert uns enorm. Unterschiedliche kulturelle Perspektiven und fachliche Expertisen sind für uns der Schlüssel zu echten Innovationen.

BlachReport: Derse Germany ist Teil einer internationalen Unternehmensgruppe. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem Headquarter und den internationalen Standorten entwickelt – und welchen Mehrwert bietet das Ihren Kunden?

Bettina Hemberger: Die Abläufe mit unserem Standort in Polen und den sechs US-Märkten sind perfekt eingespielt. Diese nahtlose Vernetzung ermöglicht uns ein extrem breites, verlässliches Leistungsportfolio.

Unsere eigenen Produktionsstätten bringen unseren Kunden unmittelbare Kostenvorteile. Für US-Projekte bieten wir zudem weitestgehende Budgetsicherheit, Transparenz und ein großes Mietprogramm – kombiniert mit lokaler Expertise in lokalen Standards.

BlachReport: Wenn Sie heute ein Fazit nach einem Jahr ziehen müssten: Wofür soll Derse Germany künftig im Markt stehen?

Felix Börner: Für absolute Verlässlichkeit. Egal ob Messe, Experience-Center, Event oder Roadshow – wir denken, beraten und gestalten von der ersten Idee bis zur finalen Umsetzung ganzheitlich mit.

Bettina Hemberger: Für grenzüberschreitende Partnerschaft auf Augenhöhe. Wir sichern Produktionsqualität und Kostentransparenz als strategischer Berater auf C-Level, nicht als reiner Auftragnehmer.