Start Meinung Hausmannskost vs. Disruption für Marketing-Events?

Hausmannskost vs. Disruption für Marketing-Events?

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Marketing-Events wollen bewegen. Sie sollen Menschen begeistern, motivieren, überzeugen und im besten Fall Orientierung geben. Doch wer sich derzeit bei den Projekten umsieht, begegnet auffallend vielen Formaten, die vor allem eines sind: durchschnittlich gut. Professionell umgesetzt, sauber organisiert, solide inszeniert – aber ohne Ecken, ohne Kanten, ohne jene kreative Radikalität, die Aufmerksamkeit erzeugt und Erinnerbarkeit schafft.

Das Problem ist nicht mangelnde Qualität. Im Gegenteil: Viele Projekte bewegen sich auf hohem handwerklichem Niveau. Doch zwischen Perfektion und Relevanz klafft eine Lücke. Disruption, also das bewusste Brechen mit Erwartungshaltungen, das Setzen starker Kontraste oder das Entwickeln neuer Dramaturgien, bleibt häufig aus. Stattdessen dominieren bewährte Konzepte, bekannte Show-Acts und kalkulierbare Abläufe. Das Risiko wird minimiert, das Ergebnis optimiert – zumindest auf dem Papier.

Warum ist das so? Ein Blick auf das Umfeld liefert mögliche Erklärungen. Die geopolitische Lage ist angespannt, Märkte reagieren sensibel, Budgets stehen unter Druck. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wächst das Bedürfnis nach Kontrolle. Experimente erscheinen vielen Entscheidern als Luxus, den man sich nicht leisten kann. Also wird auf Nummer sicher gespielt. Lieber ein Event, der niemanden verstört, als einer, der polarisiert.

Doch genau darin liegt die Gefahr. Wenn Veranstaltungen nur noch darauf ausgerichtet sind, keinen Fehler zu machen, verlieren sie ihre Kraft. Emotion entsteht nicht aus Mittelmaß, sondern aus Mut. Motivation wächst dort, wo Haltung erkennbar wird. Überzeugungskraft entfaltet sich, wenn Inhalte klar zugespitzt sind und Inszenierungen überraschen. Wer hingegen versucht, es allen recht zu machen, bleibt austauschbar.

Die Branche steht damit an einem Scheideweg. Soll sie sich mit durchgenudelter Durchschnittlichkeit arrangieren oder wieder stärker auf kreative Disruption setzen? Gerade in unsicheren Zeiten können Events Räume schaffen, die Orientierung bieten und Perspektiven eröffnen. Dafür braucht es allerdings Auftraggeber und Agenturen, die bereit sind, kalkulierte Risiken einzugehen.

Denn am Ende entscheidet nicht die Fehlerfreiheit über den Erfolg eines Events, sondern seine Wirkung. Und Wirkung entsteht dort, wo der Mut größer ist als die Angst vor dem Scheitern.

P.S.: Wem gerade die „disruptiven“ Ideen ausgehen, könnte sich vielleicht Anregungen auf der Biennale in Venedig holen, die noch bis zum 22. November läuft . . .

Herzlichst

Ihr Peter Blach