Start Business BDKV: Festivals und Live-Erlebnisse behalten Priorität

BDKV: Festivals und Live-Erlebnisse behalten Priorität

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Trotz steigender Lebenshaltungskosten und wachsender Preissensibilität bleibt das Interesse an Festivals nach Ansicht des BDKV Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft hoch. Auch in diesem Sommer werden sie ein Millionenpublikum erreichen. Denn Live-Erlebnisse gelten laut dem Verband als Orte von Gemeinschaft, Identifikation und gelebter Teilhabe.

Gleichzeitig prägen wachsende wirtschaftliche Risiken die Lage der Festivalbranche. Produktionskosten sind seit Ende der Pandemie um rund 50 Prozent gestiegen, während Ticketpreise mit rund 30 Prozent deutlich langsamer nachgezogen haben. Die Anforderungen an Shows, Nachhaltigkeit und Infrastruktur wachsen, die Nachfrage wird volatiler und der wirtschaftliche Erfolg entscheidet sich oft erst kurz vor Veranstaltungsbeginn.

Laut Auswertungen des BDKV zeigen auch aktuelle Studien, dass insbesondere junge Menschen Erlebnisse gezielt gegenüber materiellem Besitz bevorzugen: Rund 70 Prozent der 18- bis 29-Jährigen messen Live-Musik eine hohe Bedeutung bei (Shell 2023/2024, Bertelsmann Stiftung 2024). 80 Prozent geben an, ihr Geld lieber für Erlebnisse auszugeben, 93 Prozent suchen gezielt reale Erfahrungen als Gegenpol zur digitalen Welt (Living for Live 2026). „Wir sehen aktuell sehr deutlich, dass nicht weniger Geld ausgegeben wird, sondern fokussierter“, sagt Johannes Everke, Geschäftsführer des BDKV. „Fans entscheiden sich gezielt für Kulturerlebnisse – und Festivals stehen dabei ganz oben.“

Das zeigt sich, wenn 32 Prozent der Festivalbesucher bereit sind, weltweit zu reisen, 39 Prozent europaweit (Festivalfire 2022). Gleichzeitig bleibt die Fanbindung hoch. Mit zuletzt 5,37 Millionen liegt die Zahl der regelmäßigen Konzertbesucher auf Rekordniveau und über dem Niveau vor der Pandemie (IfD Allensbach 2026). Warum Festivals dabei eine so zentrale Rolle einnehmen, zeigt sich auch in den Motiven: 87 Prozent nennen Künstler und Tanzen als Hauptgrund, 83 Prozent die Gemeinschaft mit anderen. International geben zudem 77 Prozent der Fans an, sich bei Konzerten als Teil von etwas Größerem zu fühlen (Festivalfire 2019). Deshalb nutzen mehr als Drei Viertel der Fans Early Bird Tickets und richten ihre Lebensplanungen auf ein Ereignis aus, das erst in einem Jahr stattfindet (TicketSwap 2026).

„Festivals sind nicht nur Veranstaltungen. Sie sind Orte der Inspiration, gelebte Utopie und Räume, in denen Gemeinschaft real erlebbar wird“, sagt Sonia Simmenauer, Präsidentin des BDKV. „Gerade in einer Zeit, die von Unsicherheit und Fragmentierung geprägt ist, schaffen sie echte Begegnung.“ Mit der hohen Nachfrage wachse auch die Bedeutung eines fairen und transparenten Ticketmarktes. Gerade im Zweitmarkt würden sich die Fans weiterhin mit überhöhten Preisen, intransparenten Angeboten und vielfachem Betrug konfrontiert sehen. Dabei müsse der Zugang zu Live-Erlebnissen sowohl im Sinne der Fans als auch im Sinne der Künstler und Veranstaltenden verlässlich und fair bleiben. Nur so könne sichergestellt werden, dass Kulturveranstaltungen für breite Zielgruppen erreichbar bleiben und Vertrauen nicht untergraben wird.

Eingebettet in ein Ökosystem von insgesamt rund 1.800 Musikfestivals in Deutschland (Festivalstudie 2025), bringen allein die größten zehn Festivals jährlich über 1.000 Acts auf die Bühne und erreichen rund 700.000 Besucher. „Während die Kosten für Produktion, Personal und Künstlerhonorare seit der Pandemie in Summe um rund 50 Prozent gestiegen sind, können das die im branchenweiten Durchschnitt um rund 30 Prozent gestiegenen Ticketpreise nicht auffangen“, so Johannes Everke. „Gleichzeitig wollen wir Live-Erlebnisse für möglichst viele Menschen zugänglich halten und machen die Tickets deshalb nicht noch teurer. Das setzt die Margen bei großen wie kleinen Veranstaltungen unter Druck.“

„Auch wenn selbst erfolgreiche Festivals aufgrund immenser Kostensteigerungen wirtschaftlich unter Druck stehen, haben sie nach wie vor einen hohen kulturellen und gesellschaftlichen Stellenwert. Deshalb ist es wichtig, dass wir als Branche und Verband die richtigen Entscheidungen treffen, um ihre Zukunft langfristig zu sichern“, sagt Stephan Thanscheidt, CEO FKP Scorpio und Vorstand BDKV.

Die wirtschaftliche Stabilität der Branche hänge maßgeblich von verlässlichen Rahmenbedingungen ab. Kosten- und Bürokratiezuwächse müssten begrenzt werden. Nicht zuletzt der faire Ticketzweitmarkt und niedrige Zugangshürden seien Voraussetzung dafür, dass gerade junge Menschen Livekultur erleben und als Publikum, Fachkräfte oder Künstler zurückkehren: „Um als Branche resilient zu bleiben und auch den Profis von morgen ein attraktives Arbeitsumfeld bieten zu können, brauchen wir Rahmenbedingungen, die Arbeiten ermöglichen, statt zu bremsen“, so Everke. „Dazu gehören unter anderem moderne Arbeitszeitregelungen und klare, rechtssichere Bedingungen für selbständige Tätigkeiten.“