Urbane Landwirtschaft ist 2026 in aller Munde – die meisten Beiträge dazu bleiben allerdings bei Renderings hypothetischer Zukunftsfarmen stehen, nicht bei tatsächlichem Ertrag. Die DN Group AG hat diesen Schritt bereits hinter sich: Ihre Beteiligung an greeny+ betreibt eine aeroponische Anlage mitten in Frankfurt, die längst produziert statt nur zu planen. „Ernährungssicherheit, Emissionsreduktion und Wasserkonservierung konvergieren in einer einzigen Investitionsthese“, beobachtet CEO Ole Nixdorff zur Logik hinter der Beteiligung – kein Nebeneffekt, sondern für ihn der eigentliche Grund, warum das Segment aus Investorensicht funktioniert.
Warum der Druck auf traditionelle Landwirtschaft wächst
Die städtische Flächennutzung in Europa wuchs laut Europäischer Umweltagentur zwischen 2000 und 2018 um jährlich fast 1,5 Prozent – Fläche, die der Ackerbau verliert, während gleichzeitig mehr Menschen ernährt werden müssen. Hinzu kommt der Transport: Laut derselben Behörde entfallen fast 19 Prozent der Emissionen des europäischen Ernährungssystems auf die Logistik zwischen Erzeugung und Teller. Ohne diesen Umweg wären die Emissionen des Ernährungssystems spürbar niedriger. Ein Gemüse, das im selben Gebäude wächst, in dem es verkauft wird, muss diesen Umweg gar nicht erst zurücklegen.
Einzelne europäische Städte haben bereits reagiert: Paris hat sich ein Ziel von 100 begrünten Hektar auf Dächern, Fassaden und öffentlichen Flächen gesetzt, wovon rund ein Drittel konkret dem Lebensmittelanbau zugedacht ist. Der europäische Vertical-Farming-Markt selbst wächst entsprechend rasant, von 2,82 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf eine erwartete 17,14 Milliarden US-Dollar bis 2034 – eine jährliche Wachstumsrate von 22,2 Prozent.
Eine Farm, die längst produziert
Während der Großteil dieser Wachstumsgeschichte noch Zukunftsmusik ist, liefert die greeny+-Anlage in Frankfurt bereits heute. Statt Erde nutzt das aeroponische System einen feinen Nährstoffnebel, den es direkt an frei hängende Wurzelsysteme abgibt – ressourcensparender als klassische Hydroponik und vollständig ohne Ackerfläche. Die Frankfurter Installation versorgt schätzungsweise 300 Haushalte pro Jahr mit frischem Gemüse, eine zweite Anlage in Berlin liefert vergleichbare Mengen. An beiden Standorten wächst das Gemüse dort, wo vorher nur brachliegende Fläche stand, und der kurze Weg vom Anbau bis zum Teller drückt die Emissionen aus dem Transport um etwa 70 Prozent gegenüber dem konventionellen Vertrieb.
Für Frankfurt heißt das konkret: keine drei getrennten ökologischen Wetten, sondern eine einzige Anlage, die alle drei Dimensionen gleichzeitig bedient – nicht nacheinander, sondern im selben Betrieb.
Vom Experiment zur operativen Realität
Genau dieser Punkt unterscheidet greeny+ von einem Großteil der öffentlichen Debatte um Vertical Farming, die sich häufig auf Konzeptstudien und Pilotprojekte beschränkt. „greeny+ demonstriert, dass Vertical Farming über den experimentellen Status hinausgewachsen ist“, erklärt Nixdorff. „Dies sind operative Anlagen, die quantifizierbare Ergebnisse liefern.“
Ob sich dieses Modell auf weitere deutsche Städte übertragen lässt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie schnell sich Investitionskosten für Beleuchtung, Klimatechnik und Automatisierung amortisieren. Für Frankfurt und Berlin ist diese Frage bereits beantwortet: Beide Anlagen laufen, ernten und liefern – jenseits jeder Rendering-Zukunft, mitten in der Stadt.






















