Start Business Lifestyle-Verband EVL sieht Sommermessen als bedrohte Spezies

Lifestyle-Verband EVL sieht Sommermessen als bedrohte Spezies

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Der Europäische Verband Lifestyle (EVL) blickt mit Optimismus aber auch ein wenig Sorge auf die Entwicklung der europäischen Messelandschaft. Immer mehr Sommermessen in der Konsumgüterbrache verschwinden, werden zusammengelegt oder verlieren an Bedeutung. Aus Sicht der Industrie sei das weit mehr als eine Veränderung im europäischen Messekalender – es gefährde die Innovationskraft der Branche und damit die Fähigkeit des Handels, Verbraucher immer wieder mit neuen Ideen und Trends zu begeistern.

Noch vor wenigen Jahren boten nach EVL-Ansicht zahlreiche Veranstaltungen den Herstellern die Möglichkeit, ihre Neuheiten für das Weihnachts- und nächste Frühjahrsgeschäft zu präsentieren. Heute seien die Plattformen deutlich ausgedünnt: „Die Tendence ist längst Geschichte. Die HOMI in Mailand findet nur noch im Januar statt. Der Versuch, mit der Creativ Salzburg eine neue Designplattform zu etablieren, ist vorerst gescheitert. Die Birmingham Autumn Fair konnte nur durch die Zusammenlegung mit der Glee erhalten werden. Bologna Be Trend wurde nach zwei Ausgaben eingestellt. Auch andere Veranstaltungen kämpfen mit rückläufigen Ausstellerzahlen oder einer sinkenden Marktbedeutung“, kommentiert der Verband.

Damit schrumpfe die Zahl der relevanten Order- und Trendplattformen im Sommer auf wenige Veranstaltungen. Mit der Trends Up West in Düsseldorf, die Ende Juni immerhin eine positive Entwicklung zeigte, der TrendSet in München mit insgesamt 50 ausstellenden EVL-Mitgliedern, der Nordstil Ende Juli in Hamburg, der Trendz/ShowUP Ende August in den Niederlanden sowie der Cadeaux in Leipzig im Spätsommer blieben nur noch wenige Messen, wie die Maison&Objet, auf denen die Industrie den Handel für die zweite Jahreshälfte inspirieren könne.

Für den EVL ist das eine Entwicklung, die die gesamte Branche betrifft. Denn Messen seien weit mehr als Orderplätze, sondern Orte der Begegnung, des Austauschs und der Inspiration, wo neue Sortimente entstehen, Trends sichtbar und Ideen entwickelt werden, die später den Weg in die Geschäfte und zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern finden.

Die EVL-Mitglieder würden zugleich mit Optimismus wahrnehmen, dass die Händler, die Messen besuchen, diese Plattformen wieder deutlich intensiver nutzen und vor Ort stärker ordern als in der Vergangenheit. Damit kompensieren die aktiven Messebesucher zumindest teilweise, was durch Fernbleiber verloren geht – und zeigen, dass Messen weiterhin ein wichtiger Erfolgsfaktor für den Handel sein können: „Der Handel braucht Trends, um die Endverbraucher immer wieder zu überraschen. Gerade in unseren Produktsegmenten ist das überlebenswichtig“, sagt EVL-Geschäftsführerin Heike Tscherwinka. „Wenn die Bedeutung der Sommermessen weiter sinkt, verlieren wir Plattformen, auf denen genau diese Impulse entstehen.“

Der Verband sieht deshalb die gesamte Branche in der Verantwortung. Wenn klassische Messeformate weiter unter Druck geraten, brauche es neue Wege, um Innovationen sichtbar zu machen und Hersteller, Handel sowie Medien zusammenzubringen. Denkbar wären beispielsweise Crossover-Formate mit angrenzenden Branchen, Press Days, die sich gezielt auch für Händler öffnen, konzertierte Showroom-Konzepte oder Pop-up-Formate. „Es geht nicht darum, an einzelnen Veranstaltungen festzuhalten oder sie gegeneinander auszuspielen“, so Lars Adler, EVL-Vorstandssprecher und Geschäftsführer von Hoff-Interieur. „Generell brauchen wir Orte, an denen Innovationen sichtbar werden und unsere Branche miteinander ins Gespräch kommt. Denn nur wenn neue Ideen den Handel erreichen, können sie am Ende auch die Verbraucher begeistern. Dabei liegt es auch an den Händlern, die verbliebenen Messeplattformen aktiv zu nutzen – als Chance, das eigene Geschäft mit neuen Ideen, Produkten und Impulsen erfolgreich weiterzuentwickeln.“

Der EVL versteht seinen Appell ausdrücklich als Einladung an Messeveranstalter, Hersteller, Verbände und den Handel, gemeinsam über die Zukunft der Innovationsplattformen nachzudenken. Als Netzwerk der europäischen Lifestyle-Industrie will der Verband diesen Dialog aktiv begleiten. Schließlich vereine der EVL mehr als 160 Unternehmen und bilde damit die gesamte Bandbreite der Branche ab.