Start Digital Event-Digitalisierung: KI, Hybrid, Analyse, Immersion

Event-Digitalisierung: KI, Hybrid, Analyse, Immersion

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Die Digitalisierung von Veranstaltungen hat eine neue Entwicklungsstufe erreicht. Nach Jahren des Experimentierens und zahlreicher technischer Pilotprojekte steht inzwischen weniger die Frage nach dem Machbaren im Mittelpunkt als vielmehr die nach dem konkreten Nutzen. Digitale Technologien werden heute weltweit als strategischer Bestandteil von Livekommunikation verstanden. Sie sollen Prozesse vereinfachen, Inhalte effizienter nutzbar machen, Reichweiten erhöhen und zugleich das Erlebnis für Teilnehmer verbessern.

Dabei zeigt sich ein bemerkenswerter Wandel: Während digitale Lösungen während der Pandemie häufig als Ersatz für physische Begegnungen betrachtet wurden, dienen sie heute vor allem dazu, reale Veranstaltungen zu ergänzen und zu optimieren. Die stärksten Entwicklungen lassen sich derzeit in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Hybridformate, Personalisierung, Datenanalyse, immersive Technologien sowie Barrierefreiheit beobachten. Internationale Branchenstudien bestätigen, dass diese Themen die Investitionen und Innovationsstrategien von Veranstaltern, Agenturen und Technologieanbietern maßgeblich prägen.

Besonders deutlich wird dies beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. KI hat sich innerhalb kurzer Zeit vom Experimentierfeld zum festen Bestandteil vieler Eventprozesse entwickelt. Veranstalter nutzen entsprechende Anwendungen inzwischen für die Planung von Programmen, die Erstellung von Kommunikationsmaterialien, die Analyse von Teilnehmerdaten sowie die Auswertung von Veranstaltungen. KI-gestützte Systeme generieren Einladungen, Social-Media-Inhalte und Zusammenfassungen von Vorträgen innerhalb kürzester Zeit. Gleichzeitig unterstützen intelligente Assistenten Teilnehmer während der Veranstaltung durch automatisierte Antworten auf organisatorische Fragen oder individuelle Empfehlungen für Sessions und Networking-Möglichkeiten.

EventsAir-Chef Paul Trappett (Foto: EventsAir)

Wie weit diese Entwicklung inzwischen fortgeschritten ist, zeigt exemplarisch die Vorstellung der neuen KI-Plattform „Air Intelligence“ durch den Eventtechnologie-Anbieter EventsAir aus Australien. Das System setzt auf mehrere spezialisierte KI-Assistenten, die Veranstalter und Teilnehmer während des gesamten „Eventlebenszyklus“ begleiten. Ein digitaler Teilnehmerassistent beantwortet Fragen in Echtzeit, informiert über Programmänderungen und empfiehlt passende Inhalte oder Kontakte. Ein weiterer Assistent soll Veranstaltern künftig ermöglichen, komplexe Veranstaltungsdaten per natürlicher Sprache auszuwerten und daraus unmittelbar Handlungsempfehlungen abzuleiten. Hinzu kommt ein KI-Werkzeug zur Erstellung zielgruppenspezifischer Kommunikationsinhalte. Das Beispiel verdeutlicht den Wandel von isolierten KI-Anwendungen hin zu intelligenten Assistentensystemen, die direkt in Eventplattformen integriert sind.

Ein weiterer Trend besteht darin, Veranstaltungen zunehmend als Content-Plattformen zu betrachten. Viele Unternehmen produzieren heute nicht mehr ausschließlich einen einmaligen Event, sondern generieren aus Vorträgen, Diskussionen und Präsentationen eine Vielzahl weiterer Inhalte. Aufzeichnungen werden automatisiert transkribiert, zu Kurzvideos verarbeitet oder in Blogbeiträge, Podcasts und Social-Media-Formate umgewandelt. Dadurch kann sich die Lebensdauer eines Events erheblich verlängern. Die eigentliche Veranstaltung wird zum Ausgangspunkt einer langfristigen Kommunikationsstrategie.

Parallel dazu verändert sich das Verständnis hybrider Veranstaltungen. Die anfängliche Vorstellung, eine Präsenzveranstaltung einfach per Livestream zu ergänzen, gilt als überholt. Stattdessen entstehen zwei eigenständige, aber miteinander vernetzte Erlebniswelten. Teilnehmer vor Ort erhalten ein klassisches Live-Erlebnis mit persönlichem Austausch und direkter Interaktion. Digitale Teilnehmer erhalten hingegen speziell für Online-Nutzung entwickelte Formate mit angepassten Moderationen, zusätzlichen Interaktionsmöglichkeiten und auf die Bildschirmnutzung zugeschnittenen Inhalten. Erfolgreiche hybride Veranstaltungen behandeln beide Zielgruppen zunehmend gleichwertig und entwickeln für jede Gruppe eigene Nutzererlebnisse.

Eng verbunden mit dieser Entwicklung ist die Konsolidierung digitaler Eventplattformen. Anstelle zahlreicher Einzellösungen setzen Veranstalter verstärkt auf integrierte Systeme, die Registrierung, Ticketing, Networking, Programmplanung, Interaktion und On-Demand-Angebote in einer zentralen Umgebung bündeln. Ziel ist eine durchgängige digitale Teilnehmerreise – vom ersten Kontakt über die Anmeldung bis zur Nachbereitung des Events. Für Besucher bedeutet dies weniger Medienbrüche und eine einfachere Nutzung. Für Veranstalter entstehen gleichzeitig wertvolle Datenpunkte zur Analyse des Nutzerverhaltens.

Auch die Personalisierung gewinnt weiter an Bedeutung. Teilnehmer erwarten zunehmend Angebote, die auf ihre individuellen Interessen zugeschnitten sind. Moderne Eventplattformen analysieren bereits bei der Registrierung Interessenprofile, berufliche Rollen oder frühere Interaktionen und erstellen daraus personalisierte Empfehlungen. Diese reichen von individuellen Programmvorschlägen über gezielte Networking-Kontakte bis hin zu maßgeschneiderten Inhalten innerhalb von Event-Apps. Die Entwicklung orientiert sich dabei an digitalen Plattformen aus anderen Branchen, etwa Streaming-Diensten oder E-Commerce-Angeboten. Ziel ist es, die Relevanz der Veranstaltung für jeden einzelnen Teilnehmer zu erhöhen.

Auch hier setzen neue KI-Lösungen an. Bei Air Intelligence werden beispielsweise Teilnehmerdaten, Sessionaktivitäten und Veranstaltungsinformationen in Echtzeit verknüpft, um individuelle Empfehlungen auszusprechen. Teilnehmer erhalten dadurch gezielt Hinweise auf relevante Vorträge, Sponsoren oder Networking-Möglichkeiten. Personalisierung entwickelt sich damit zunehmend von einer Marketingfunktion zu einem zentralen Bestandteil des Veranstaltungserlebnisses.

Besucherstrom-Analyse von PwC und knw./Live Matters (Illustration: PwC)

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Nutzung von Daten in Echtzeit. Veranstalter wollen heute nicht mehr erst nach Abschluss einer Veranstaltung wissen, welche Maßnahmen erfolgreich waren. Aktuelle Analysewerkzeuge, beispielsweise von These Guys, knw. oder b.sure, ermöglichen es, Besucherströme, Raumauslastungen und Interaktionsraten bereits während des laufenden Events auszuwerten. Werden Engpässe oder geringe Beteiligungsraten erkannt, können organisatorische Anpassungen unmittelbar vorgenommen werden.

Die nächste Entwicklungsstufe besteht darin, Daten nicht nur sichtbar zu machen, sondern unmittelbar interpretierbar aufzubereiten. Systeme wie Air Intelligence ermöglichen es Veranstaltern beispielsweise, Fragen wie „Welche Sessions bleiben hinter den Erwartungen zurück?“ oder „Wie entwickeln sich die Registrierungszahlen im Vergleich zum Vorjahr?“ direkt an die Plattform zu richten und sofort datenbasierte Antworten zu erhalten. Dadurch verschiebt sich der Fokus von der nachträglichen Analyse hin zur aktiven Steuerung von Veranstaltungen während des laufenden Betriebs.

Gleichzeitig liefern die gesammelten Daten belastbare Kennzahlen für Sponsoren und Auftraggeber. Die Frage nach dem Return on Investment von Events gewinnt in vielen Unternehmen weiter an Bedeutung. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Systemen, die den Erfolg einer Veranstaltung messbar machen können.

Neben Effizienz und Messbarkeit rückt auch das Erlebnisdesign stärker in den Fokus. Teilnehmer erwarten heute oft mehr als klassische Vortragsprogramme. Immersive Technologien schaffen neue Möglichkeiten, physische und digitale Welten miteinander zu verbinden. LED-Technologien, Projektionen und interaktive Displays ermöglichen dynamische Bühnenbilder und flexible Raumkonzepte. Gleichzeitig entstehen innerhalb großer Veranstaltungen immer häufiger kleinere Erlebnisbereiche, die auf spezifische Interessen ausgerichtet sind. Workshops, Lernstationen, interaktive Demonstrationen oder spielerische Elemente sorgen für eine stärkere Beteiligung der Besucher. Dabei zeigt sich ein wichtiger Trend: Immersion bedeutet nicht zwangsläufig den Einsatz komplexer Virtual-Reality-Systeme. Vielmehr geht es darum, relevante und aktivierende Erlebnisse zu schaffen, die Teilnehmer stärker einbeziehen.

Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit. Digitale Programme ersetzen gedruckte Unterlagen, virtuelle Teilnahmeoptionen reduzieren Reiseaufkommen und intelligente Systeme helfen dabei, Ressourcen effizienter einzusetzen. Hinzu kommen neue gesetzliche Anforderungen, insbesondere im Bereich der digitalen Zugänglichkeit. Internationale Veranstaltungen setzen deshalb verstärkt auf automatische Untertitel, Live-Transkriptionen und KI-gestützte Übersetzungen in verschiedene Sprachen. Diese Technologien verbessern nicht nur die Barrierefreiheit, sondern unterstützen auch die globale Reichweite von Veranstaltungen. Inhalte können dadurch weltweit nahezu zeitgleich und in mehreren Sprachen verfügbar gemacht werden.

Trotz aller technologischen Innovationen zeigt sich weltweit ein gemeinsamer Nenner. Die Digitalisierung soll nicht den menschlichen Austausch ersetzen, sondern ihn unterstützen. Viele Veranstalter erkennen inzwischen, dass Technologie ihren größten Nutzen entfaltet, wenn sie organisatorische Hürden reduziert und Freiräume für persönliche Begegnungen schafft. KI, Automatisierung und Datenanalyse übernehmen zunehmend Routinetätigkeiten im Hintergrund. Im Vordergrund stehen dagegen Community-Building, Networking und emotionale Erlebnisse.

Für die Eventbranche bedeutet dies einen Paradigmenwechsel. Die Digitalisierung wird nicht länger als separates Thema betrachtet, sondern als integraler Bestandteil moderner Veranstaltungskonzepte. Die erfolgreichsten Events der kommenden Jahre werden jene sein, die technologische Möglichkeiten gezielt einsetzen, ohne den eigentlichen Kern von Veranstaltungen aus den Augen zu verlieren: Menschen zusammenzubringen und relevante Begegnungen zu ermöglichen.