Start Business IAPCO-Studie zeigt Risiken für internationale Kongresse

IAPCO-Studie zeigt Risiken für internationale Kongresse

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Geopolitische Konflikte und politische Unsicherheiten beeinflussen die internationale Kongress- und Tagungsbranche zunehmend. Zu diesem Ergebnis kommt die „2026 Global Socio-Political Impact Survey“ der International Association of Professional Congress Organisers (IAPCO). Die Untersuchung entstand gemeinsam mit den Branchenverbänden AIPC, AMC Institute, ICCA, IFES und PCMA. Befragt wurden weltweit 130 Organisationen aus dem internationalen Meeting- und Kongressmarkt.

Laut Studie sehen 73,84 Prozent der Befragten globale Konflikte inzwischen als direkten Einflussfaktor für die Planung und Durchführung internationaler Veranstaltungen. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 53,92 Prozent. Damit hat sich der Anteil innerhalb eines Jahres deutlich erhöht. Die Ergebnisse zeigen nach Einschätzung von IAPCO, dass geopolitische Entwicklungen nicht mehr nur ein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil von Veranstaltungsplanung, Risikomanagement und Destinationsauswahl geworden sind.

Sissi Lignou (Foto: IAPCO)

Auch Reiseeinschränkungen wirken sich zunehmend auf die Branche aus. 65,38 Prozent der befragten Organisationen berichten von Reiseproblemen bei Teilnehmern oder Kunden. 2025 lag dieser Wert noch bei 41,67 Prozent. Gleichzeitig gaben 58,46 Prozent an, sinkende internationale Teilnehmerzahlen zu beobachten. Hinzu kommen steigende Kosten. Knapp die Hälfte der Befragten meldete höhere Ausgaben für die eigenen Teams, während 48,46 Prozent steigende Kosten auf Seiten von Kunden und Teilnehmern registrierten.

Sissi Lignou, Präsidentin von IAPCO, verweist auf die Bedeutung internationaler Konferenzen für Wissenschaft, Wirtschaft und Wissensaustausch. Die aktuellen Entwicklungen hätten direkte Auswirkungen auf diese Form der internationalen Zusammenarbeit. Professionelle Kongressorganisatoren müssten deshalb zunehmend flexible Lösungen entwickeln, um Veranstalter, Teilnehmer und Destinationen bei Unsicherheiten zu unterstützen.

Die Auswirkungen zeigen sich laut Studie entlang des gesamten Eventprozesses. Rund ein Drittel der Befragten gab an, Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen verschoben, abgesagt oder an andere Standorte verlegt zu haben. Weitere 42,31 Prozent erklärten, Destinationen mit politischer oder regionaler Instabilität inzwischen gezielt zu vermeiden.

Neben geopolitischen Konflikten spielen laut Studie auch politische Entscheidungen einzelner Staaten eine größere Rolle. 59,32 Prozent der Befragten sehen Auswirkungen durch politische Maßnahmen der USA aus den Jahren 2025 und 2026 auf die Planung internationaler Veranstaltungen bis 2028. Besonders genannt werden Einschränkungen bei Visa- und Einreisebestimmungen sowie Kürzungen von Fördermitteln, die wissenschaftliche und akademische Reisen erschweren.

Martin Boyle (Foto: IAPCO)

Martin Boyle, CEO von IAPCO, sieht darin eine zunehmende Komplexität für die internationale Veranstaltungswirtschaft. Professionelle Kongressorganisatoren würden heute verstärkt Aufgaben wie Sicherheitsmanagement, Budgetkontrolle, Teilnehmerkommunikation und strategische Destinationsberatung übernehmen. Ziel sei es, Veranstalter bei kurzfristigen Veränderungen handlungsfähig zu halten.

Trotz der angespannten Rahmenbedingungen verweist IAPCO auf die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors. Nach Angaben des Verbands organisierten akkreditierte Mitglieder im Jahr 2025 weltweit 23.512 Meetings und Veranstaltungen. Insgesamt wurden dabei rund 7,7 Millionen Teilnehmer betreut. Der wirtschaftliche Effekt der Veranstaltungen wird mit 17,36 Milliarden Euro angegeben.

IAPCO fordert vor diesem Hintergrund eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Verbänden, Destinationen und Veranstaltungsorganisatoren. Zudem sieht der Verband Bedarf an belastbaren Daten sowie an langfristigen Strategien für Krisen- und Risikomanagement. Internationale Kongresse seien weiterhin zentrale Plattformen für Forschung, Medizin, Bildung, Wirtschaft und politischen Austausch. Einschränkungen durch Konflikte oder politische Maßnahmen hätten deshalb Auswirkungen weit über einzelne Veranstaltungen hinaus.