Ein neues Branchenforum will die Entwicklung der Messewirtschaft in Afrika stärker in den Mittelpunkt der internationalen Debatte rücken. Das Africa Exhibition Forum (AEF) soll erstmals am 4. und 5. Dezember 2026 im Sarit Expo Centre in Nairobi, Kenia, stattfinden. Veranstalter sind Exhibit Africa und die auf die Messewirtschaft spezialisierte Beratung jwc. Unterstützt wird das Forum von UFI, The Global Association of the Exhibition Industry, sowie UNIDO, der Sonderorganisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung.
Die zweitägige Veranstaltung richtet sich an lokale und internationale Messeveranstalter, Betreiber von Veranstaltungsstätten, Dienstleister, Vertreter staatlicher Stellen und Investoren. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die Messe- und Veranstaltungswirtschaft in den unterschiedlichen afrikanischen Märkten entwickeln lässt.
Aktuelle Marktdaten verdeutlichen dabei die infrastrukturellen Unterschiede. In der jüngsten „UFI/jwc World Map of Exhibition Venues“ sind weltweit 81 Veranstaltungsstätten mit mehr als 100.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche erfasst – keine davon befindet sich in Afrika. Lediglich fünf afrikanische Märkte überschreiten die Berichtsschwelle von 50.000 Quadratmetern: Südafrika mit 126.489 Quadratmetern an sechs Standorten, Algerien mit 76.000 Quadratmetern, Marokko mit 60.000 Quadratmetern, Ägypten mit 55.480 Quadratmetern und Senegal mit 53.000 Quadratmetern. Zusammen verfügen diese Märkte über 17 Veranstaltungsstätten und 370.969 Quadratmeter Fläche. Zum Vergleich: Das Messegelände von Messe Frankfurt verfügt allein über 372.073 Quadratmeter.
Die Veranstalter sehen einen Zusammenhang zwischen der Messeinfrastruktur und den wirtschaftspolitischen Zielen des Kontinents. Mit dem 2018 in Kigali unterzeichneten und seit 2019 geltenden Abkommen zur Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone sollen 90 Prozent der Zolltariflinien für einen Markt mit rund 1,4 Milliarden Menschen liberalisiert werden. Nach Angaben der Weltbank könnte eine vollständige Umsetzung die innerafrikanischen Exporte bis 2035 um 81 Prozent erhöhen. Der innerafrikanische Handel erreichte 2025 laut dem „African Trade Report 2026“ schätzungsweise 213,8 Milliarden US-Dollar.
Jochen Witt, Chairman von jwc, beschreibt Afrika nicht als einheitlichen Markt, sondern als Zusammenschluss unterschiedlicher Handelsräume mit eigenen sprachlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Strukturen. Für den Aufbau eines funktionierenden Messegeschäfts sei es daher notwendig, bestehende Handelsströme und regionale Nachfrage genauer zu erfassen. Zugleich sollen Regierungen stärker in die Diskussion einbezogen werden, da die 54 afrikanischen Staaten unterschiedliche wirtschaftspolitische Prioritäten verfolgen.
Das Programm des AEF gliedert sich in die drei Themen Markt, Staat und Infrastruktur. Dabei geht es um Handelsströme, Nachfrage und internationale Branchendaten ebenso wie um den wirtschaftlichen Nutzen von Messen für Exporte, Investitionen und die Entwicklung lokaler Industrien. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Anforderungen internationaler Veranstalter an Flächen, Erreichbarkeit, Logistik und Dienstleistungen. Ergänzt wird das Programm durch eine Führung durch das Sarit Expo Centre sowie Workshops zu Grundlagen des Messegeschäfts und den Anforderungen afrikanischer Veranstalter und Veranstaltungsstätten.
Zu den angekündigten Referenten gehören unter anderem Wolfram Diener, Präsident und CEO von Messe Düsseldorf sowie UFI President 2026/27, Stefan Kratzsch von Unido, Carole Kadenge vom Sarit Expo Centre, Paul Maerz von Fairtrade und Jamie Hill von BtoB Events. Weitere Sprecher sollen folgen.
Daniel Mesfin, CEO von Exhibit Africa, nennt als Ziele des Forums kurzfristig umsetzbare Verbesserungen, konkrete Anforderungen an die Infrastruktur und eine stärkere internationale Wahrnehmung Afrikas als Wachstumsmarkt für Messen, Investitionen und Handel. Das Sarit Expo Centre verfügt über 4.510 Quadratmeter säulenfreie Ausstellungsfläche und liegt im Sarit Mall-Komplex in Nairobi.























