Fragen an Stefan Lohmann von Sustainable Event Solutions und Christian Denzer von Cover My Ass über eine neue Veranstaltungsversicherung, die nachhaltiges Handeln mit Beitragsnachlässen belohnt.
BlachReport: Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Transformation der Veranstaltungsbranche. Wie bewerten Sie die Entwicklung beim Thema Nachhaltigkeit?
Stefan Lohmann: Ich setze mich als internationaler Artist Booker für Corporate Events, Festivals, öffentliche Veranstaltungen und TV-Shows sowie als Gründer von Sustainable Event Solutions, dem Netzwerk Nachhaltiger Eventagenturen und dem Berlin Show Orchestra seit vielen Jahren für die Zukunftsfähigkeit der Veranstaltungsbranche ein. In dieser Zeit hat sich viel bewegt. Noch vor einigen Jahren war die verbreitete Meinung, dass Nachhaltigkeit vor allem zusätzliche Kosten verursacht. Heute gibt es kaum noch Veranstalter, die sich gar nicht mit dem Thema beschäftigen.
Der öffentliche Druck ist gestiegen, ebenso die Anforderungen durch Klimaziele und gesetzliche Vorgaben. Immer mehr Festivals und Veranstaltungen lassen sich nach ISO-Standards, dem Blauen Engel oder EMAS zertifizieren. Auch Städte und Kommunen stehen unter Druck, ihre Klimaziele zu erreichen. Gerade bei Stadtfesten und öffentlichen Veranstaltungen zeigt sich sehr deutlich, ob die Vorteile nachhaltiger Konzepte verstanden und umgesetzt werden.
BlachReport: Wo sehen Sie aktuell die größte Herausforderung?
Stefan Lohmann: Was bislang gefehlt hat, waren echte finanzielle Anreize. Viele Veranstalter wissen, dass nachhaltiges Handeln sinnvoll ist, aber die wirtschaftlichen Vorteile werden oft nicht ausreichend sichtbar. Genau deshalb habe ich in den vergangenen Jahren an Lösungen gearbeitet, die Nachhaltigkeit direkt mit wirtschaftlichen Vorteilen verbinden.
Mit Christian Denzer von Cover My Ass habe ich einen Partner gefunden, der die Idee sofort verstanden hat. Gemeinsam haben wir eine Versicherung entwickelt, die günstiger wird, je nachhaltiger eine Veranstaltung umgesetzt wird. Das ist aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt für die Branche.

BlachReport: Wie kam es zu dem Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Versicherungsprämien?
Christian Denzer: Die Grundidee basiert auf einer einfachen Beobachtung: Nachhaltiges Handeln und professionelles Risikomanagement gehen häufig Hand in Hand. Unternehmen und Veranstalter, die langfristig denken, Verantwortung übernehmen und ihre Prozesse bewusst gestalten, schaffen meist auch sicherere Strukturen.
Viele nachhaltige Maßnahmen wirken sich positiv auf die Versicherbarkeit aus. Wer Ressourcen effizient nutzt, Transporte reduziert, Materialien wiederverwendet, Sicherheitskonzepte etabliert oder Lieferketten sorgfältig auswählt, arbeitet in der Regel strukturierter und planbarer. Das reduziert Risiken und hilft dabei, Schäden zu vermeiden.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Jeder vermiedene Schaden ist auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit. Wenn beispielsweise Technik zerstört wird, ein Zelt abbrennt oder eine Veranstaltung abgesagt werden muss, entstehen nicht nur wirtschaftliche Schäden, sondern oft auch zusätzliche Umweltbelastungen durch Ersatzbeschaffungen, Transporte oder Entsorgung.
BlachReport: Wie hoch fällt der mögliche Rabatt aus?
Christian Denzer: Aktuell können Veranstalter Nachlässe von bis zu 15 Prozent erhalten. Dieser Rabatt wird durch die geringeren Schadenquoten ermöglicht, die wir bei nachhaltig und professionell organisierten Veranstaltungen beobachten.
Finanziert wird das Modell letztlich von allen Beteiligten gemeinsam – von uns, unseren Versicherungspartnern und den Veranstaltern selbst. Wenn weniger Schäden entstehen oder die Schadenssummen geringer ausfallen, profitieren alle Seiten.
BlachReport: Welche Voraussetzungen müssen Veranstalter erfüllen, um einen solchen Rabatt zu erhalten?
Stefan Lohmann: Der Aufwand ist vergleichsweise gering. Entscheidend sind vor allem Maßnahmen, die einen direkten Einfluss auf Risiken haben. Dazu gehört beispielsweise ein professionelles Abfallmanagement. Abfälle können Fluchtwege blockieren oder Brandrisiken erhöhen. Deshalb ist dieser Bereich aus Versicherungssicht besonders relevant.
Aber auch eine gute Beschilderung, geschultes Personal oder durchdachte Sicherheitskonzepte wirken sich positiv aus. Es geht also nicht nur um klassische Nachhaltigkeitsthemen wie Stromverbrauch oder CO₂-Reduktion, sondern um ein ganzheitliches Veranstaltungsmanagement.
BlachReport: Welche finanziellen Auswirkungen kann das konkret haben?
Stefan Lohmann: Die Unterschiede können erheblich sein. Aktuell betreuen wir ein Festival, das mit unserer Lösung insgesamt rund 20 Prozent unter dem bisherigen Versicherungsangebot liegt und gleichzeitig einen besseren Leistungsumfang erhält.
In einem anderen Fall konnte ein Kunde im Vergleich zu seinem bisherigen Anbieter rund 25.000 Euro einsparen. Das zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bringen kann.
BlachReport: Wie läuft der Abschluss einer solchen Versicherung ab?
Stefan Lohmann: Die Prozesse sind konsequent digital ausgerichtet. Viele Versicherungen können innerhalb weniger Minuten online abgeschlossen werden. Kunden erhalten direkt eine Einschätzung oder konkrete Konditionen und müssen nicht tagelang auf Rückmeldungen warten.
Bei komplexeren Veranstaltungen stehen zusätzlich erfahrene Ansprechpartner zur Verfügung, die individuelle Lösungen entwickeln und die bestmöglichen Konditionen ermitteln. Unser Ziel lautet: schnell, günstig und sicher.
BlachReport: Worin unterscheidet sich das Angebot von klassischen Versicherern?
Christian Denzer: Aus unserer Sicht sind vor allem drei Faktoren entscheidend: Geschwindigkeit, Praxisnähe und Unterstützung im Schadenfall.
Wir kennen die Veranstaltungsbranche aus eigener Erfahrung. Deshalb wissen wir, dass Veranstalter, Agenturen und Produzenten keine Zeit haben, sich durch umfangreiche Versicherungsbedingungen zu arbeiten. Viele Angebote können bei uns innerhalb kürzester Zeit erstellt werden.
Zudem sind unsere Produkte auf die tatsächlichen Anforderungen der Branche abgestimmt. Produktionsversicherungen und Jahrespolicen werden beispielsweise so miteinander kombiniert, dass Technik nicht bei jedem Projekt erneut versichert werden muss. Viele Risiken, die bei anderen Anbietern nur über zusätzliche Bausteine abgesichert werden können, sind bereits Bestandteil unserer Standardlösungen.
BlachReport: Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
Christian Denzer: Wir können Veranstaltungen sehr individuell absichern. Dazu gehören beispielsweise Künstler- oder Bandabsicherungen trotz bestehender Vorerkrankungen, sofern ärztlich bestätigt wird, dass die betreffende Person auftrittsfähig ist.
Auch bei anspruchsvollen Wetterszenarien oder Veranstaltungen in besonderen geografischen Lagen finden wir häufig Lösungen, die andere Anbieter nicht anbieten können.
Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, nur eine sogenannte Erstrisikosumme zu versichern. Das bedeutet, dass nicht zwingend das gesamte finanzielle Risiko einer Veranstaltung abgesichert werden muss. Stattdessen wird eine feste Summe vereinbart, bis zu der im Schadenfall geleistet wird. Das schafft Planungssicherheit und vermeidet Diskussionen über Unterversicherung.
BlachReport: Sie betonen immer wieder das Schadenmanagement. Was bedeutet das konkret?
Christian Denzer: Unser Ansatz besteht darin, gemeinsam mit Kunden und Versicherern Lösungen zu finden. Wir suchen nicht nach Gründen, warum ein Schaden nicht reguliert werden kann.

Ein Beispiel aus dem vergangenen Jahr: Auf einem öffentlichen Veranstaltungsgelände wurden mehrere ungesicherte Schilder gestohlen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keine polizeiliche Anzeige vorlag, konnte der Schaden reguliert werden. Gleichzeitig haben wir den Veranstalter beraten, wie sich ähnliche Vorfälle künftig vermeiden lassen.
Für uns endet die Zusammenarbeit nicht mit dem Abschluss einer Police. Wir verstehen uns als langfristiger Partner, der dabei unterstützt, Risiken dauerhaft zu reduzieren.
BlachReport: Wie wichtig ist dabei der Servicegedanke?
Stefan Lohmann: Sehr wichtig. Wir verstehen uns als Dienstleister für die Branche. Wenn Probleme auftreten, sollen Veranstalter schnell Unterstützung erhalten. Deshalb ist rund um die Uhr ein Ansprechpartner erreichbar.
Dabei geht es nicht nur um die Regulierung von Schäden. In bestimmten Situationen können auch schnelle Auszahlungen helfen, Folgeschäden zu verhindern oder sogar die Absage einer Veranstaltung zu vermeiden.
Gerade die rechtssichere Absicherung von Veranstaltungsabsagen ist aus meiner Sicht ein wichtiger Bestandteil professioneller Eventplanung. Kosten, Einnahmen, Sponsoringgelder und Ticketerstattungen müssen abgesichert sein, damit Veranstalter im Ernstfall nicht in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.
BlachReport: Reichen 15 Prozent Rabatt aus, um nachhaltiges Handeln in der Branche stärker zu fördern?
Stefan Lohmann: Wir befinden uns aktuell noch in einer frühen Phase und führen viele Gespräche mit potenziellen Kunden. Gleichzeitig haben wir bereits zahlreiche Testläufe durchgeführt und Veranstaltungen unterschiedlichster Größenordnungen versichert.
Zu den ersten Projekten gehörte „United for Children in Concert“ zugunsten von Unicef. Die Veranstaltung wird auch künftig über uns versichert. Darüber hinaus haben wir bereits Konzerte von David Garrett sowie größere Festivals begleitet. Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Viele Kunden sind überrascht, wie groß die Einsparpotenziale tatsächlich sein können.
BlachReport: Wie wird das nachhaltige Handeln der Kunden überprüft?
Stefan Lohmann: Unser Ziel ist vor allem ein Umdenken in der Branche. Wir möchten zeigen, dass Nachhaltigkeit wirtschaftlichen Erfolg fördern kann. Wer falsche Angaben macht, muss im Zweifel den gewährten Nachlass zurückzahlen. Grundsätzlich setzen wir aber auf Eigenverantwortung.
Christian Denzer: Der Nachhaltigkeitsrabatt basiert bewusst auf Vertrauen. Der Aufwand für unsere Kunden soll möglichst gering bleiben. Deshalb beschränkt sich die Prüfung zunächst auf wenige Fragen zu nachhaltigen Maßnahmen und Prozessen.
Eine laufende Kontrolle findet grundsätzlich nicht statt. Nur wenn es konkrete Hinweise auf falsche Angaben gibt, würden wir diese näher prüfen. Wichtig ist uns, dass der Rabatt als Anreiz verstanden wird und nicht als zusätzliche Hürde.
Sollte sich später herausstellen, dass die Voraussetzungen für den gewährten Nachlass nicht vorlagen, kann der Rabatt rückwirkend korrigiert werden. Der Kunde wird dadurch jedoch nie schlechter gestellt, als wenn er den Nachlass von Anfang an nicht erhalten hätte.
BlachReport: Abschließend gefragt: Welche Botschaft möchten Sie der Branche mitgeben?
Stefan Lohmann: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind kein Widerspruch. Im Gegenteil: Wer Ressourcen spart, Risiken reduziert und langfristig denkt, organisiert oft auch erfolgreichere Veranstaltungen. Unser Ziel ist es, Veranstalter dabei zu unterstützen und gleichzeitig konkrete finanzielle Vorteile zu schaffen. Genau darin sehen wir einen wichtigen Baustein für eine zukunftsfähige Veranstaltungswirtschaft.























