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Covid-19 schüttelt Messebranche durch

Covid-19, also die aktuelle Variante des Corona Virus, schüttelt gerade Messeveranstalter, Besucher und natürlich auch die unzähligen Service-Anbieter rund um Messen und Ausstellungen kräftig durch. Ob Auto China 2020 in Beijing, IBTM Asia Pacific in Singapur, Mobile World Congress Barcelona, Light & Building in Frankfurt oder die Internationale Eisenwarenmesse in Köln: Etliche Messen wurden bereits verschoben, entweder auf die zweite Jahreshälfte oder gleich ins nächste Jahr. Ob und wie das dann angesichts enger Terminpläne auf den Messeplätzen funktioniert, wird sich zeigen. In der aktuellen Situation herrscht jedenfalls Unsicherheit bei allen Beteiligten. Der BlachReport hat darum bei den Veranstaltern der branchenrelevanten Messen ITB, Prolight + Sound und Imex nach dem Stand der Dinge gefragt, aber auch Aussagen der Koelnmesse und der Messe München eingeholt. Wir wollten wissen, ob weitere Veranstaltungen durch die Infektionskrankheit betroffen sind beziehungsweise wie die Messeveranstalter die Sicherheit der Beteiligten gewährleisten wollen.

Bei der ITB in Berlin, die bereits am 4. März startet, gibt es noch keine Anzeichen, dass die Messe nicht stattfinden könnte. Dazu Tim Benedict Wegner, Corporate Communication Messe Berlin: „Die ITB Berlin wird wie geplant stattfinden.“ Zwar gab es einige Stornos, „angesichts von 10.000 Ausstellern liegt dies im Promille-Bereich“, so Wegner. „Wir rechnen daher auch nicht mit spürbar mehr Absagen. Die Online-Anmeldungen durch Fachbesucher liegen auf dem Niveau des Vorjahres. Die ITB Berlin wird also planmäßig vom 4. bis 8. März 2020 stattfinden.“ Und weiter: „Anders als bei den von ihnen angesprochenen Fall in Frankfurt, haben wir aktuell keine neuen Sicherheitsauflagen von den zuständigen Behörden erhalten. Wir stehen in intensiven Kontakt mit den zuständigen Gesundheitsbehörden. Sie dürfen versichert sein, dass die Sicherheit und Gesundheit unserer Messeteilnehmer höchste Priorität für uns hat. Der AUMA, die deutschen Messegesellschaften und wir als ITB Berlin sorgen durch regelmäßige Abstimmung mit den fachlich zuständigen Ministerien und Behörden und durch eigene Maßnahmen für einen hohen Gesundheitsschutz für Messeteilnehmer in Deutschland. Sollte sich die aktuelle Situation verändern, so werden wir die Empfehlungen der relevanten deutschen Behörden umgehend umsetzen.“

Das Bundesgesundheitsministerium hat in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut kürzlich bekannt gegeben, dass die Gefahr in Deutschland weiterhin als sehr gering einstuft wird. (Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikobewertung.html).

Der  AUMA, dem Verband der deutschen Messewirtschaft sieht gegenwärtig keinen Anlass, die Durchführung von Messen in Deutschland einzuschränken (https://www.auma.de/de/medien/meldungen/corona-virus-aktuelle-informationen). Als Risikofaktoren gelten demanch ein Aufenthalt in den betroffenen Gebieten in den vergangenen 14 Tagen beziehungsweise der Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person.

Es existieren aktuell auch keine Einreisebeschränkungen für chinesische, asiatische oder italienische Staatsbürger nach Deutschland. Es gilt weiterhin der Beschluss des außerordentlichen EU-Gesundheitsministerrats: Demnach können Flugreisende vor Landung in EU-Ländern gefragt werden, ob sie in Corona-Infektionsgebieten waren oder Kontakt mit Infizierten hatten.

Tim Benedict Wegner: „Zum Schutze unserer Aussteller, Besucherinnen und Besucher werden daher die zusätzlichen Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen weiter aufrechterhalten. Darüber hinaus sollte jeder die vom Robert Koch Institut empfohlenen Schutzmaßnahmen beherzigen: häufig und gründlich Hände waschen, Nies- und Hustenetikette einhalten, Hände schütteln vermeiden.“

Aufgrund der verstärkten Verbreitung des Coronavirus in Europa hat sich die Messe Frankfurt „nach intensiven Beratungen“ für die Verschiebung der Light + Building entschieden. Sie sollte eigentlich am 8. März starten. Die Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik ist jetzt zwischen Mitte und Ende September 2020 in Frankfurt am Main vorgesehen.

Relevante Messen für die Eventszene sind die Prolight + Sound und die Imex, die Ende März beziehungsweise Mitte Mai starten sollen. Angesichts der jüngsten Entwicklungen des Covid-19 Virus hat sich die Adam Hall Group dazu entschlossen, in diesem Jahr nicht an der Prolight + Sound (31. März bis 3. April 2020) in Frankfurt am Main teilzunehmen. Dazu Alexander Pietschmann, CEO von Adam Hall: „Damit orientieren wir uns an den aktuellen Präventionsempfehlungen der Gesundheitsbehörden zum verantwortungsbewussten Schutz von Mitarbeitern, Partnern und Messebesuchern.“ Stattdessen präsentiert die Adam Hall Group die zahlreichen Neuheiten aus ihrem umfangreichen Eventtechnik-Portfolio in einem Livestream am 31. März 2020 auf der Unternehmenswebsite.

Markus Quint, Unternehmenssprecher und Leiter Corporate Communications Messe Frankfurt: „Die Situation in Bezug auf das Covid-19 Virus ändert sich sehr dynamisch. Entsprechend müssen wir flexibel reagieren. Aktuell gehen wir davon aus, das die Prolight + Sound sowie die Musikmesse stattfinden werden.“

Die Imex ist eine Gastveranstaltung auf dem Frankfurter Messegelände. Entsprechend haben wir direkt bei Imex CEO Carina Bauer nachgefragt. „Knapp drei Monate vor der IMEX in Frankfurt stehen wir in regelmäßigem Kontakt mit unseren Partnern auf der ganzen Welt und auf dem deutschen Markt, um die Situation zu überwachen“, so Carina Bauer. „Bislang haben wir keine wesentlichen Auswirkungen auf unsere Messe festgestellt und planen weiterhin voller Zuversicht. Die IMEX wird planmäßig vom 12. bis 14. Mai in Frankfurt stattfinden – inklusive des EduMonday am 11. Mai. Über unsere Partner beim GCB und der Messe Frankfurt stehen wir weiterhin in engem Kontakt mit den Behörden und der Weltgesundheitsorganisation WHO. Wir prüfen laufend deren Empfehlungen, um jederzeit die richtigen Schritte zu veranlassen. Die Gesundheit und Sicherheit unserer Aussteller, Besucher und Mitarbeiter haben für uns höchste Priorität, und wir werden sicherstellen, dass alle geeigneten Maßnahmen gemäß den Empfehlungen der Behörden getroffen werden. Die Tatsache, dass sowohl die Confex in London als auch ITB in Berlin planmäßig stattfanden beziehungsweise stattfinden, werten wir als ein positives Zeichen für unsere Branche. Insofern wollen wir vorsichtig zu einem ‚Business as usual‘ übergehen – wenn auch unter ungewöhnlichen Umständen, die ein sorgfältiges und überlegtes Management erfordern.“

Nach Aussage von Markus Quint steht die Messe Frankfurt „in ständigem und engem Austausch mit den Frankfurter Gesundheitsbehörden“. Quint weiter: „Empfehlungen und Anweisungen der Behörden werden umgesetzt. Auch alle Tochtergesellschaften weltweit richten sich nach den Empfehlungen und Anweisungen der jeweiligen lokalen Behörden. Wir haben den ohnehin schon sehr hohen Standard auf dem Messegelände in Frankfurt hinsichtlich unmittelbarer medizinischer Versorgung noch einmal erhöht. Wir verfügen permanent über ein eingespieltes und bewährtes Notfallmanagement. Das Operation & Security Center (OSC) der Messe Frankfurt beherbergt neben Polizei und Feuerwehr auch das Deutsche Rote Kreuz sowie die Sicherheits- und Ordnungsdienste. Für medizinische Notfälle stehen mehrere Behandlungsräume sowie Geräte zur Notfallversorgung zur Verfügung. Darüber hinaus stehen zu großen Messen mehrere Ärzte und Sanitätskräfte im OSC zur Verfügung, die im Umgang mit Infektionskrankheiten geschult sind.“

Die Reinigungsmaßnahmen in Frankfurt für stark frequentierte Bereiche wie Eingänge, Türgriffe, Rolltreppenläufe wurden beziehungsweise werden gemäß Messe Frankfurt gegenüber dem schon hohen Standard erhöht. Markus Quint: „Weiterhin wurden zusätzliche Desinfektionsmittelspender auf dem Gelände positioniert. Mitarbeiter der Rettungskräfte sind in den Hallen sichtbar unterwegs und stehen Kunden und Besuchern neben den eingesetzten Hostessen, dem Sicherheits- und Servicepersonal mit Rat und Tat zur Verfügung. Zudem finden Sicherheitsbesprechungen mit allen Sicherheitsorganisationen und Sicherheitsbehörden statt. Zur Beantwortung von Fragen hinsichtlich Covid-19 seitens unserer Kunden und Gäste hat die Messe Frankfurt eine Hotline eingerichtet, die telefonisch unter den Rufnummern 069/7575-3335 und 069/7575-5364 erreichbar ist. Jeweils aktuelle Informationen sind auch auf www.messefrankfurt.com/osc zu finden. Dieser Maßnahmenkatalog gilt bis auf weiteres für die kommenden Veranstaltungen.“

Ähnlich vorbereitet hat sich die Messe München. Dazu Unternehmenssprecher Christian Krause: „Die Messe München ist in ständigem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden zum Coronavirus 2019-nCoV. Diese sehen derzeit keinen Anlass zur Einschränkung des Messebetriebs an den Münchner Standorten. Es gibt derzeit keine veränderten Zugangsbedingungen. Die Messe München wird unmittelbar die Empfehlungen und Richtlinien der WHO sowie des Robert-Koch-Instituts und den Gesundheitsbehörden, mit denen sie in ständigem Kontakt steht, für ihre Veranstaltungen umsetzen.!

Vorsorglich hat die Messe München für ihre Veranstaltungen in München eine Reihe von Maßnahmen ergriffen. Die Sanitätsstationen auf dem Messegelände und den Konferenzzentren sind mit medizinisch ausgebildeten Mitarbeitern und Sanitätskräften besetzt, die im Umgang mit Infektionskrankheiten geschult sind. In Absprache mit den zuständigen Reinigungsdiensten wurde die Taktung der durchgeführten Reinigungen im Bereich der Sanitäranlagen sowie in stark frequentierten Bereichen wie Eingängen, Türgriffen, Rolltreppenläufen oder auch Laufbandläufen vorsorglich erhöht. In den sanitären Örtlichkeiten werden zusätzliche Desinfektionsmittelspender angebracht.

Über die Informationsstellen der Messe München können sich Aussteller und Besucher darüber informiert, wohin sie sich im Verdachtsfall wenden können. Eine Coronavirus-Hotline steht unter der Telefonnummer 089 949 / 20720 sowie im Web unter www.messe- muenchen.de/de/unternehmen/verantwortung-csr/sicherheit/ zur Verfügung.

Im Ausland wurden dagegen bereits mehrere Veranstaltungen der internationalen Tochtergesellschaften der Messe München verschoben. Anweisungen der Stadtregierung von Beijing über das Beijing Public Security Bureau führen zur Absage der Messe ISPO Beijing 2020 (12. bis 15. Februar 2020 im NCIEC Beijing, China). Richtlinien der Gesundheitsbehörden der Stadtregierung von Shanghai folgend, werden die electronica China, productronica China, Laser World of Photonics China und Vision China 2020 (18. bis 20. März 2020 im Shanghai New International Expo Centre SNIEC, China) verschoben. Bereits seit Ende Januar gilt bis auf Weiteres für den Konzern ein Geschäfts-Reiseverbot von und nach China.

Sehr kurzfristig verschob die Koelnmesse die Internationale Eisenwarenmesse fünf Tage vor dem geplanten Messestart am 1. März 2020. Angekündigt waren für diese Veranstaltung rund 3.000 Aussteller, darunter rund 1.200 aus China. Ein neuer Termin für die Eisenwarenmesse, die üblicherweise im Zweijahresrhythmus stattfindet, wurde für Frühjahr 2021 angekündigt. Nora van Holt, Kommunikationsmanagerin der Messegesellschaft: „Die Koelnmesse trägt damit der sich in jüngster Vergangenheit zunehmend verschärfenden weltweiten Lage rund um das Auftreten des Corona-Virus Rechnung.“ Vorher hatten Aussteller aus der Werkzeugbranche verstärkt ihre große Sorge um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zum Ausdruck gebracht. Auch die Koelnmesse hat eine Reihe präventiver Maßnahmen ergriffen und zum Beispiel die Reinigungsmaßnahmen intensiviert, zusätzliche Desinfektionsmittelspender aufgestellt und die Sanitätsstationen auf mögliche Verdachtsfälle vorbereitet.