Das Metaverse war für die Eventbranche lange mehr als ein Technologietrend: Es klang nach einem neuen Raum für Livekommunikation, Markeninszenierung und Networking – global, skalierbar, immersiv. Aus der Perspektive von 2026 fällt die Bilanz allerdings gemischt aus. Das große Social-Metaverse als „zweites Internet“ ist bislang nicht Realität geworden. Gleichzeitig wäre es falsch, das Thema abzuhaken. Was passiert ist: Die Branche hat den Hype verloren – und dafür ein besseres Gespür für echte Anwendungen gewonnen.
In der Praxis haben viele der frühen Metaverse-Eventformate eine zentrale Schwäche gezeigt: Der Nutzen für Teilnehmende war häufig geringer als der Aufwand. Zugangshürden, Technikfrust, fehlende Standards und die Lernkurve bei Avataren sorgten dafür, dass Plattformen zwar Aufmerksamkeit bekamen, aber selten eine nachhaltige Routine. Virtuelle Messestände und 3D-Welten wirkten oft eher wie digitale Kulissen als wie echte Begegnungsräume.
Dennoch hat die Entwicklung einen wichtigen Effekt gehabt: Sie hat immersive Technologien in die strategische Diskussion der Livekommunikation gebracht. Virtual Reality und Augmented Reality werden heute weniger als „Parallelwelt“ verstanden, sondern als Erweiterung von Eventformaten. Vor allem im B2B-Kontext entstehen überzeugende Szenarien: Produkttrainings, Safety-Schulungen, virtuelle Showrooms, digitale Zwillinge von Maschinen oder Locations. Hier geht es nicht um Social-Entertainment, sondern um Wissensvermittlung, Sales Enablement und Effizienz.
Ein Blick auf die großen Player zeigt, warum die Lage ambivalent ist. Zum Beispiel Meta: Das Unternehmen hat Reality Labs mehrfach umgebaut, Projekte eingestellt und Ressourcen reduziert. Für die Branche ist das ein Signal: Die Pionierphase wird nicht mehr mit unbegrenztem Budget erkauft. Gleichzeitig bleibt XR als Hardware- und Plattformthema relevant.
Für Veranstaltungen gilt daher: Das Metaverse ersetzt keine physischen Events. Es ersetzt auch nicht die digitale Bühne, die sich über klassische Streaming- und Interaktionsplattformen längst etabliert hat. Es ergänzt – punktuell und selektiv. Relevanz entsteht immer dann, wenn immersive Formate einen klaren Mehrwert liefern: als emotionales Brand-Erlebnis, als interaktiver Produktzugang oder als skalierbares Training. Reine „Virtuelle Welt“-Effekte reichen nicht.
Die zentrale Aufgabe für Agenturen und Corporate-Marketing bleibt damit strategisch: weniger „Metaverse als Buzzword“, mehr „Immersion als Tool“. Entscheidend sind Content-Qualität, einfache Zugänge, klare Dramaturgie und die Frage, welche Zielgruppe welchen Mehrwert wirklich braucht. Die Zukunft der Livekommunikation wird digitaler – ja. Aber sie wird nicht automatisch virtueller. Und schon gar nicht vollständig avatarbasiert.
Herzlichst
Ihr Peter Blach
(Der Beitrag erschien als Editorial in BlachReport 03.2026)






















