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Eventbranche: Solide Bonität, Risiken vorhanden

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Die Veranstaltungsbranche ist ein Vorleistungsgeschäft: Technik und Messebau leisten zunächst vor, Personal wird vorab gebucht, Material und Logistik müssen Wochen vorher disponiert werden. Abgerechnet wird jedoch oft erst nach dem letzten Applaus. Genau diese Vorleistungskette macht die Branche empfindlich für Bonität und Zahlungsverhalten einzelner Akteure. Eine aktuelle Analyse von Creditsafe Deutschland, der weltweit meistgenutzten Wirtschaftsauskunftei, erstellt in Zusammenarbeit mit eventcompanies.de, zeigt: Eventlocations rutschen überdurchschnittlich häufig in schwächere Score-Klassen und fallen beim Zahlungsverhalten auf. Das kann entlang der Projektkette schnell zum Problem für Technik, Messebau und weitere Dienstleister werden.

Klaus Grimmer, Inhaber von kg-u Unternehmens- und Personalberatung der Eventbranche und seit über 20 Jahren Branchenberater, bringt es auf den Punkt: „Die Veranstaltungswirtschaft lebt von Vertrauen – aber Vertrauen ersetzt keine Bonitätsprüfung. Wer heute Projekte absichern will, braucht Transparenz über die wirtschaftliche Stabilität seiner Partner.“ Grimmer bietet über sein Portal eventcompanies.de eine kostenlose Bonitätsprüfung via CreditSafe an.

Klaus Grimmer (Foto: kg-u)

Die Zahlen sprechen zunächst für eine Branche mit Substanz. 74,9 Prozent der Veranstaltungsunternehmen sind älter als 15 Jahre, der Anteil sehr junger Unternehmen (0–1 Jahr) liegt bei lediglich 0,3 Prozent. Grimmer ordnet ein: „Das ist typisch für Märkte, in denen Vertrauen, Referenzen und operative Routine entscheidend sind: Wer Veranstaltungen umsetzt, wächst selten über schnelle Neugründungen, sondern über gewachsene Kundenbeziehungen, eingespielte Abläufe und belastbare Partnernetzwerke.” Besonders ausgeprägt ist diese Reife bei Servicedienstleistern (80,1 Prozent 15+ Jahre) und Messebauern (78,4 Prozent 15+ Jahre) – Segmente, in denen Erfahrung direkt in Effizienz, Prozesssicherheit und Kostendisziplin übersetzt werden kann. Gleichzeitig dämpft die geringe Gründungsdynamik die Erneuerungskraft: Innovation entsteht hier eher im Bestand über Professionalisierung, bessere Kapazitätssteuerung und konsequentes Forderungsmanagement.

Auch die Unternehmensgrößen bestätigen das Bild einer mittelständisch geprägten Branche: 92,5 Prozent sind „klein“, 4,4 Prozent mittelgroß und 3,1 Prozent groß. Auffällig ist das Segment der Servicedienstleister: Dort liegt der Anteil mittlerer und großer Unternehmen bei 15,9 Prozent. Das deutet auf stärkere Skalierung hin, etwa durch Bündelung von Personal, Logistik oder Infrastrukturleistungen. Skalierung ist jedoch nicht nur ein Wachstumsvorteil, sondern erhöht oft auch die Vorleistungs- und Liquiditätsanforderungen: Wer große Projekte parallel abwickelt, spürt verspätete Zahlungseingänge schneller und intensiver.

Grimmer: „Viele Unternehmen verlassen sich auf langjährige Partnerschaften. Doch wirtschaftliche Stabilität ist keine Garantie auf Dauer – auch nicht bei Partnern, mit denen man seit Jahren arbeitet.“ Branchenweit liegen 72,2 Prozent der Unternehmen in den guten Score-Klassen A und B (A: 28,1 Prozent, B: 44,1 Prozent). Besonders positiv fällt das Service-Segment auf: 36,7 Prozent der Servicedienstleister erreichen die Bestklasse A. Das kann ein Hinweis auf professionellere Strukturen, stabilere Kundenportfolios oder eine bessere Steuerung von Risiken sein. Gleichzeitig zeigt sich bei Eventlocations eine spürbare Schwachstelle: Sie weisen die höchste Konzentration in den schwächeren Klassen D und E auf (16,1 Prozent). Das ist wirtschaftlich plausibel – Locations tragen häufig hohe Fixkosten (Immobilie, Betrieb, Instandhaltung, Personal), während die Einnahmen stark von Auslastung, Saison und Buchungslage abhängen. Schwankungen – etwa durch kurzfristige Stornos oder Budgetstopps – schlagen hier schneller auf die Bonität durch als in flexibleren Segmenten.

Score-Klassen (Foto: Creditsafe)

Im Durchschnitt zahlen 45,2 Prozent der Unternehmen fristgerecht. Deutlich besser stehen Agenturen, Messebauer und Technikunternehmen da: Sie erreichen Werte von rund 57 bis 59 Prozent pünktlicher Zahlungen. Das spricht für vergleichsweise klare Abnahme- und Abrechnungslogiken sowie für eine höhere Planbarkeit der Cashflows. Umso relevanter ist der Befund bei den Knotenpunkten: Bei Eventlocations und Servicedienstleistern liegt der Anteil der Unternehmen mit Zahlungsverzügen von mehr als 16 Tagen jeweils bei über 23 Prozent. „Gerade wirtschaftlich starke Unternehmen sollten ihre eigene Existenz nicht gefährden, indem sie Risiken in der Lieferkette ignorieren. Eine einzige größere Zahlung kann ausreichen, um Projekte ins Wanken zu bringen“, betont Grimmer. In einer Branche, die auf Vorleistungen basiert, ist das mehr als eine statistische Auffälligkeit: Längere Verzüge können dazu führen, dass Zulieferer Projekte schlechter vorfinanzieren, Zahlungsziele straffen oder Risiken künftig höher bepreisen – ein Dominoeffekt, der die gesamte Projektkette verteuert. „Eine Bonitätsauskunft ist keine Misstrauenserklärung – sie ist professionelles Risikomanagement“, ordnet der Experte ein.

Die Kreditlimits spiegeln die mittelständische Struktur: 61,6 Prozent liegen unter 50.000 Euro. Gleichzeitig existiert eine substanziell große Gruppe mit höheren Rahmendaten: 13,1 Prozent verfügen über Kreditlimits oberhalb von 250.000 Euro, 3,2 Prozent sogar über 1 Mio. Euro. Gerade im Eventgeschäft ist das ein Indikator für größere Projektvolumina und höhere Vorleistungsfähigkeit – etwa bei überregionalen Dienstleistern oder Unternehmen, die mehrere Großprojekte parallel bedienen. Auch hier sticht der Service heraus: 22,1 Prozent der Servicedienstleister erreichen Kreditlimits über 250.000 Euro. Das kann die Resilienz in schwächeren Phasen erhöhen – setzt aber zugleich voraus, dass Zahlungseingänge verlässlich bleiben.

Seit Jahresbeginn 2025 zeigen die Daten eine leichte Tendenz ins Positive: 43,7 Prozent der Unternehmen verbessern sich, 39,4 Prozent verschlechtern sich, 16,9 Prozent bleiben unverändert. Diese Dynamik passt zu einer Branche, in der Budgets und Buchungslagen schnell drehen können – abhängig von Konjunktur, Konsumklima und der Investitionsbereitschaft von Unternehmen. Wer Kosten und Forderungen sauber steuert, kann die eigene Risikoposition spürbar verbessern; wer in Auslastungsdellen gerät oder mehrere Verzüge gleichzeitig verkraften muss, rutscht entsprechend schneller ab.

Nur 3,2 Prozent der Unternehmen werden „aus dem Ausland abgefragt“ – die Branche ist in dieser Betrachtung klar national ausgerichtet. Internationale Geschäftsbeziehungen konzentrieren sich vor allem auf europäische Nachbarländer sowie das Vereinigte Königreich und die USA. Für viele Akteure bedeutet das: Wachstum und Stabilität hängen stärker am deutschen Markt und seinen Budgetzyklen als an internationaler Diversifikation.

Die Zahlen von Creditsafe zeigen eine Veranstaltungswirtschaft mit stabilem Fundament: hoher Reifegrad, überwiegend gute Bonitätsklassen und eine klar mittelständische Struktur. Der Risikofokus liegt nicht in der Breite, sondern in konzentrierten Schwachstellen – besonders bei Eventlocations (Bonität) sowie bei Locations und Servicedienstleistern (Zahlungsverhalten). Für Auftraggeber und Partner ist das ein klares Signal: Wer in der Event-Lieferkette zuverlässig liefern will, muss nicht nur kreativ und operativ stark sein, sondern auch wirtschaftliche Risiken aktiv steuern. In einem Geschäft, das von Vorleistung, Termindruck und Vertrauen lebt, wird Transparenz über Bonität und Zahlungsdisziplin zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Klaus Grimmer richtet daher einen deutlichen Appell an die Branche: „In der Eventbranche geht es um Kreativität, Emotion und perfekte Umsetzung. Aber ohne wirtschaftliche Transparenz wird jedes Projekt zum Risiko. Deshalb mein klarer Appell an alle Leistungspartner – Agenturen, Messebau, Technik, Locations, Catering: Immer Informationen einholen. Immer prüfen. Immer absichern.“