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Inklusion: Wie Events und Incentives Teilhabe schaffen

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Inklusion hat in der Livekommunikation einen festen Platz auf der Agenda – zumindest in Leitbildern, Strategiepapieren und Nachhaltigkeitsberichten. In der Praxis bleibt der Anspruch jedoch häufig abstrakt. Barrierefreie Zugänge, verständliche Inhalte und echte Teilhabe werden noch zu oft als Zusatz verstanden, nicht als integraler Bestandteil der Eventkonzeption. Gleichzeitig wächst der Druck: Unternehmen stehen unter Beobachtung, wenn es um Diversität, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung geht. Corporate Events und Incentives sind sichtbare Bühne dieser Haltung.

Inklusion bei Corporate Events und Incentives bedeutet, Veranstaltungen so zu planen, dass alle Teilnehmer unabhängig von körperlichen Voraussetzungen, kulturellem Hintergrund, Alter, Geschlecht, Religion oder individuellen Bedürfnissen teilnehmen können. Dazu gehören barrierefreie Locations, eine klare und leicht verständliche Kommunikation, diverse Speaker-Line-ups, flexible Ernährungsangebote sowie eine sensible Programmgestaltung. Auch finanzielle Zugänglichkeit, hybride Formate, mehrsprachige Inhalte und gut organisierte Betreuung vor Ort zählen dazu. Ziel ist nicht nur, niemanden auszuschließen, sondern Vielfalt sichtbar zu machen, Wertschätzung zu fördern und damit Unternehmenskultur erlebbar zu machen.

Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich ein inklusiver Ansatz aussehen kann – und wie sich Inklusion von der richtigen Location über inhaltliche Konzepte bis zu technischen Lösungen durch die gesamte Eventplanung ziehen lässt.

Valencia: Inklusion als Teil einer nachhaltigen MICE-Strategie

Valencia hat sich in den vergangenen Jahren als eine der führenden MICE-Destinationen Spaniens positioniert. Neben klassischen Standortargumenten wie Infrastruktur, Hotellerie und Wetter setzt die Stadt bewusst auf Nachhaltigkeit und Inklusion. Mit dem „Green Pact Valencia“, Programmen wie „Cycle to work“ und der Einrichtung einer Sustainable Tourism Task Group wurde ein Rahmen geschaffen, der Corporate Events und Incentives in Richtung nachhaltiger und inklusiver Formate lenken soll.

Besonders deutlich wird dieser Ansatz in der Kooperation zwischen Gourmet Catering & Eventos, einem Traditionsunternehmen der Stadt, und La Mare Que Va, dem Ausbildungszentrum von Asindown Valencia. Asindown unterstützt Menschen mit Down-Syndrom und geistiger Behinderung. Seit 2023 arbeiten die Partner zusammen, um diesen Menschen eine praxisnahe Ausbildung und Beschäftigung im Hotel- und Gaststättengewerbe zu ermöglichen. Gourmet Catering & Eventos, das jährlich rund 2.500 Veranstaltungen realisiert, versteht dieses Engagement als bewusste Entscheidung: Menschen mit Behinderung sollen Werkzeuge an die Hand bekommen, um ein möglichst selbstständiges Berufsleben zu führen.

Corinna Heilmann von Gourmet Catering & Eventos in Valencia (Foto: Gourmet Catering & Eventos)

La Mare Que Va ist dabei mehr als eine Ausbildungsküche. Die Auszubildenden lernen nicht nur theoretisch, sondern arbeiten direkt im Eventgeschäft mit. Im Oktober 2023 startete der erste Kurs mit 16 Teilnehmern, die eine duale Ausbildung absolvieren und außerhalb der Schulzeit bei Veranstaltungen von Gourmet Catering & Eventos eingesetzt werden. So entsteht ein realistisches Arbeitsumfeld, in dem Abläufe, Gästekontakt und Zeitdruck ebenso Teil des Lernprozesses sind wie Produktkenntnis und Servicequalität.

Damit Inklusion im Alltagsbetrieb gelingt, setzt das Unternehmen nicht allein auf das Engagement der Auszubildenden. Die übrigen Mitarbeiter werden systematisch zu „Inklusionsagenten“ geschult. Sie lernen, wie sie Kolleginnen und Kollegen mit Behinderung begleiten, anleiten und unterstützen können, ohne sie zu bevormunden. Schrittweise soll das gesamte Team diese Qualifikation erhalten. Inklusion wird so zu einem gemeinsamen Lernprozess und zu einem professionellen Standard, nicht zu einer Sonderaufgabe einzelner.

Bislang wurden mehrere Dutzend Veranstaltungen an den Einrichtungen von La Mare Que Va im Yachthafen von Valencia und an anderen prominenten Orten der Stadt umgesetzt. Ein Höhepunkt war der Einsatz auf dem Stand der Provinz Valencia auf der Tourismusmesse Fitur 2024 in Madrid. Fünf Tage lang verantworteten Mitarbeiter von Gourmet Catering & Eventos und La Mare Que Va gemeinsam das Catering. Die Botschaft: Inklusion funktioniert auch bei hochfrequentierten Messeauftritten – und sie bereichert das Erlebnis für alle Beteiligten.

Die Reaktionen der Gäste sind nach Angaben der Beteiligten durchweg positiv. Häufig weicht eine anfängliche Überraschung schnell einer Haltung der Wertschätzung, die Geduld und Entschleunigung fördert. Viele Veranstaltungen werden von einem kurzen Vortrag über die Kooperation begleitet. So erfahren Gäste, wer hinter dem Service steht und welche Ziele das Projekt verfolgt. Aus einem Catering wird eine Begegnung, die über das Event hinaus wirkt.

Konkrete Effekte zeigen sich bereits auf dem Arbeitsmarkt: Erste Restaurants in Valencia haben Absolventen des Programms eingestellt. Aus einem Ausbildungsprojekt wird so ein Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt. Für die Stadt bedeutet dies nicht nur einen Beitrag zur Chancengleichheit, sondern auch ein sichtbares Signal in Richtung einer inklusiven MICE-Destination.

R+V Versicherung: Inklusion als Teambuilding-Erfahrung

Inklusion kann auch dann ein zentrales Thema sein, wenn es auf den ersten Blick um etwas anderes geht – etwa um Teamentwicklung. Im Rahmen ihrer Unternehmensstrategie „Next Level“ veranstaltete die R+V Allgemeine Versicherung 2025 einen Workshop im Rheingau. 55 Mitarbeiter nahmen teil, Ziel war es, die eigene Arbeitskultur zu stärken, Spitzenleistungen zu fördern und den Teamgeist zu vertiefen. Die Agentur ctc events entwickelte dafür ein Programm, das unter dem Leitgedanken „Du bist nicht allein“ stand und die Botschaft transportierte: „Was einer nicht schafft, schaffen viele.“

Im Zentrum stand eine Blindensensibilisierung in Kooperation mit den Potenzial Pionieren. Die Teilnehmer versetzten sich in die Rolle sehbehinderter Menschen, wurden geführt und mussten im wahrsten Sinne des Wortes Vertrauen fassen. Diese Erfahrung schärft die Wahrnehmung für Abhängigkeiten, Kommunikation und Verantwortung. Inklusion wird nicht theoretisch verhandelt, sondern körperlich erfahrbar. Das fördert Empathie und Verständnis für unterschiedliche Voraussetzungen im Arbeitsalltag.

Teambuilding-Workshop für R+V Versicherung (Foto: ctc events)

Weitere Teamaufgaben waren konsequent auf Zusammenarbeit und Teilhabe ausgelegt. Beim Lösen von Farb- und Zahlencodes war der Beitrag jedes Einzelnen notwendig – nur gemeinsam ließ sich die Aufgabe lösen. Während einer Wanderung durch die Weinberge wurden die Gruppen immer wieder neu zusammengestellt: Aus Zweiergruppen wurden Vierer-, später Achtergruppen. Grundlage waren zuvor definierte individuelle Stärken, die bewusst in die Teamkonstellationen einflossen. So entstand ein Praxislabor für Diversität: Unterschiedliche Fähigkeiten, Sichtweisen und Rollen wurden als Ressource genutzt, nicht als Störung.

Der gemeinsame Bau einer Kugelbahn bildete den symbolischen Abschluss. Die Aufgabe war nur durch abgestimmte Zusammenarbeit erfolgreich zu bewältigen. Die Konstruktion wurde zum anschaulichen Bild dafür, wie Vielfalt und Kooperation „die Kugel ins Rollen bringen“ können. Der Workshop setzte damit ein sichtbares Zeichen für gelebte Inklusion, Teamgeist und gemeinsame Leistung – und verknüpfte strategische Unternehmensziele mit einem sehr persönlichen Erlebnis der Teilnehmer.

Inklusion als Qualitätskriterium der Livekommunikation bei der DRPGroup

Während die Beispiele aus Valencia und von R+V vor allem konkrete Projekte und Formate zeigen, steht bei der internationalen Kreativagentur DRPGroup der systematische Ansatz im Vordergrund. Das Unternehmen verankert Inklusion als Prinzip in der Livekommunikation und betrachtet sie als Qualitätskriterium, nicht als Zusatzleistung. Ziel ist es, Kommunikationsmaßnahmen so zu entwickeln, dass sie für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich sind und individuelle Bedürfnisse frühzeitig berücksichtigt werden.

Bereits in der Konzeptionsphase werden mögliche Barrieren identifiziert: räumliche Hindernisse wie Stufen, enge Durchgänge oder fehlende Ruhezonen, sprachliche Hürden durch komplexe Fachsprache oder einseitige Sprachführung sowie technische Barrieren wie unzureichende Ton- oder Bildqualität. Auf dieser Basis wird entschieden, welche Maßnahmen notwendig sind – von barrierearmen Set-ups über klare Wegführungen bis zu Unterstützungsangeboten vor Ort.

Moderne Audiotechnologien spielen dabei eine zentrale Rolle. Personalisierte Klanglösungen ermöglichen es, Tonspuren individuell anzupassen. Sprache und Hintergrundton können getrennt geregelt werden, Lautstärken differenziert eingestellt werden. So lassen sich Inhalte für Menschen mit unterschiedlichen Hörbedürfnissen besser zugänglich machen. Ergänzt wird dies durch Induktionsschleifen, Kopfhörerangebote und andere technische Hilfen, die die Verständlichkeit erhöhen.

Auch visuelle Zugänglichkeit wird systematisch mitgedacht. Live-Untertitel, Simultanübersetzungen und klar gestaltete Visuals sorgen dafür, dass Botschaften nicht an Sprachkenntnissen oder Sehgewohnheiten scheitern. Präsentationen werden so vorbereitet, dass Kontraste stimmen, Schriften gut lesbar sind und Informationen nicht ausschließlich in Farbe kodiert werden. Wo sinnvoll, werden Inhalte in leichter Sprache aufbereitet oder in begleitenden Medien zusammengefasst.

Neben der Technik setzt die Agentur stark auf narratives Storytelling. Persönliche Geschichten, unterschiedliche Perspektiven und reale Lebenswelten werden in den Mittelpunkt gestellt. Dadurch werden abstrakte Begriffe wie Diversität oder Inklusion mit konkreten Erfahrungen verbunden. Berührungsängste können abgebaut werden, weil Menschen nicht nur als Rolleninhaber, sondern als Persönlichkeiten wahrgenommen werden. Unternehmenskommunikation erhält damit eine zusätzliche Dimension, die über reine Informationsvermittlung hinausgeht.

Vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen an Diversität und Teilhabe gewinnt dieser Ansatz an Relevanz. Veranstaltungen fungieren als Plattformen für Austausch, Markenbildung und interne Kulturentwicklung. Werden sie barrierearm und inklusiv gestaltet, vergrößern sie ihre Reichweite und stärken das Image der Unternehmen als verantwortungsbewusste Akteure. Gleichzeitig steigt die Chance, dass Inhalte tatsächlich bei allen Zielgruppen ankommen.

Fazit: Inklusion als strategische Aufgabe

Die Beispiele aus Valencia, dem Rheingau und der Agenturpraxis zeigen, dass Inklusion bei Corporate Events und Incentives sehr unterschiedliche Formen annehmen kann – vom Ausbildungsprojekt über Teambuilding bis zu komplexen Kommunikationskampagnen. Gemeinsam ist ihnen, dass Inklusion nicht als dekoratives Element am Rand verstanden wird, sondern in die zentrale Dramaturgie der Veranstaltung hineinwirkt.

Für Unternehmen und Eventverantwortliche bedeutet dies, Inklusion frühzeitig in die Planung aufzunehmen – idealerweise bereits in der Briefingphase. Fragen wie „Wer könnte ausgeschlossen sein?“, „Welche Barrieren gibt es?“ und „Wie schaffen wir echte Teilhabe?“ sollten genauso selbstverständlich gestellt werden wie Fragen nach Budget, Reichweite oder Markenbotschaft. Barrierefreie Locations, inklusive Programminhalte, geschulte Teams, hybride Angebote und der bewusste Einsatz von Technologie sind dabei Bausteine eines ganzheitlichen Ansatzes.

Inklusion erfordert Ressourcen, Aufmerksamkeit und gelegentlich auch Mut, gewohnte Abläufe zu hinterfragen. Der Mehrwert geht jedoch über die reine Erfüllung regulatorischer oder gesellschaftlicher Erwartungen hinaus. Inklusive Veranstaltungen können emotionale Bindung stärken, neue Zielgruppen erschließen, interne Kulturprozesse unterstützen und nicht zuletzt Vorbild für andere sein. Wo Inklusion konsequent mitgedacht wird, entsteht Livekommunikation, die Menschen nicht nur erreicht, sondern verbindet – und damit ein realistisches Bild einer vielfältigen Arbeits- und Lebenswelt zeichnet.