Start Business Ron Schneider von Schachzug über die CES in Las Vegas

Ron Schneider von Schachzug über die CES in Las Vegas

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Ron Schneider, Geschäftsführer der Agentur Schachzug in Erlangen, hat die CES in Las Vegas besucht und berichtet exklusiv im BlachReport über seine Eindrücke.

Die CES, die wichtigste Innovationsmesse der Welt, findet wieder in Las Vegas statt – und niemand geht hin. Ziemlich genau das wurde vermittelt, wenn man sich die sozialen Medien in den letzten Tagen angesehen hat. Eine ellenlange Liste mit Absagen von namhaften Herstellern und Expertenstimmen, die die Durchführung der Messe teilweise sogar als Irrsinn bezeichneten, rundeten das Bild ab. Und ganz ehrlich, es wirkte. Noch auf der Fahrt zum Flughafen berieten wir im Team darüber, ob wir unser Live CES Screening 2022 nicht doch absagen sollten.

Schlussendlich haben wir uns dann aber durchgerungen und sind mit einer ziemlich konkreten Agenda in den Flieger gestiegen:

1) Wie managed eine CES eine In-Person Veranstaltung trotz steigender Omikron-Zahlen?

2) Wie gelingt es den Unternehmen, sich hybrid im digital/realen CES-Umfeld zu positionieren?

3) Welche Marken kreieren die spannendsten Brand Spaces und wie sah deren Kommunikation aus?

4) Welche Top-Trends und Innovationen erwarten uns denn 2022?

Einen verpassten Anschlussflug und eine unfreiwillige Nacht im -11 Grad kalten Chicago später sind wir tatsächlich am 5. Januar 2022 in fabulous Las Vegas gelandet. Im Flughafen trafen wir auf mehrere CES Counter, welche für den Badge Pick-up zur Verfügung standen. Und bereits am ersten Touchpoint zeigte sich, dass die CES ihre Aufgabe ziemlich ernst nahm. Trotz mehrerer Flieger, die parallel ankamen, stand genug Personal zur Verfügung, sodass wir nicht anstehen mussten.

Gefordert wurde unsere Registrierung, unsere ID und unser Impfnachweis. Zusammen mit unserem Badge bekamen wir ein Antigen-Selbsttest-Kit, um uns jeden Tag vor der Messe testen zu können. Außerdem erfolgte nochmals der Hinweis auf die „Safe Live“ App. In dieser Anwendung standen verschiedene Covid-relevante Funktionen und Informationen wie „Report Suspicous Activity“, „Report Incident“, „Emergency Options“ und „Resources“ zur Verfügung. Zusammen mit der Vorkommunikation, welche gezielt auf Arrival-relevante Punkte einging, und laufenden Infos durch die CES-App waren wir bestens im Bilde und es konnte endlich losgehen auf die Messe.

Dort gab es den nächsten Security-Check. Damit waren wir so richtig angekommen und standen in der Central Hall des LVCC. Und auf den ersten Blick wurde klar: Richtig ist, dass einige Marken abgesagt hatten, aber falsch ist, dass es wenige bis keine Besucher

gab. Im Vergleich zu den letzten Jahren waren es auf jeden Fall weniger, aber die Messe war gut besucht und viele relevante Medien waren auch vor Ort.

Und was gab es zu sehen? Von brillanter High Level Brand Experience analog pre-Covid über intelligentes Raum-Management mit Freiflächen bis hin zur, sorry, nahezu vollständigen Arbeitsverweigerung war alles dabei. Aber seien wir wenigstens fachlich positiv und widmen uns den erfreulichen Experiences. In der Halle hat ganz klar Samsung gezeigt, was die Zukunft bringen wird. Der Zugang auf den Stand wurde via Termin und App professionell geregelt, die Experience wurde im Oneway-Verfahren gesichert und in jeder noch so kleinen Ecke gab es Innovation, deren Marktreife auch unmittelbar bevorstand. Organisatorisch und inhaltlich top.

Auch erwähnen muss ich an dieser Stelle Sony. Im Gegensatz zu Samsung ist Sony den Kompromiss-Weg gegangen, zwar die komplette Fläche zu nutzen, jedoch mit möglichst wenig Aufwand zu bespielen. Während es bei anderen einfach nach einer leeren Lagerhalle aussah, schaffte es Sony, kreativ mit Freiflächen zu arbeiten und eine angenehme

Atmosphäre zu kreieren, die zum Verweilen einlud. Abgerundet wurde die Experience durch eine großflächige Medienbespielung, die wirklich kreativ und gut gemacht war. Zumindest bleibe ich wirklich selten fünf Minuten vor einer LED sitzen und schaue zu, wenn ich mit dem Inhalt nichts zu tun habe. Neben Sony und Samsung waren auch die Auftritte von Razer, Canon, Bosch, Hisense, SK und TCL wirklich einen Besuch wert.

Und weiter ging es zur West Hall – für uns natürlich überaus spannend, da dort Automotive das Thema war. Der Weg dorthin wurde bereits zu einem Messe-Highlight: Wir nutzten den LVCC Loop von Elon Musks Boring Company. Diese baute unter dem Messegelände ein Tunnel-System, welches als Pilot für komplett Las Vegas dient. Während der CES waren dort insgesamt 80 Tesla unterwegs und beförderten die Besucher staufrei und in kürzester Zeit von Central Hall zur West Hall und auch wieder zurück. Dreh und Angelpunkt war die LVCC Central Station, welche beim Look & Feel moderne Mobilität gekonnt auf den Punkt brachte und Lust auf mehr machte.

Tesla Shuttle auf der CES in Las Vegas (Fotos: Schachzug)

Auch die West Hall war gut besucht, aber fast alle Automotive Big Brands suchte man vergeblich. Mit gleich drei Auftritten inszenierte Hyundai anspruchsvoll seine verschiedenen Mobility-Units und vermittelte konsequent ein professionelles Bild. Und dann war da noch Togg. Die türkische Car Brand nutzte die Abwesenheit der großen Player und

präsentierte sich mit seinem ersten physischen Markenauftritt, der durch kompakte Architektur und kinetische Medienflächen glänzte. Ein starkes Debüt, was sich auch in den CES PR-Ratings widerspiegelte.

Ebenfalls plötzlich einer der Player auf der CES: Vinfast. Im Stil einer traditionellen A-Messe präsentierte der Hersteller aus Vietnam seine Flotte auf einem großen Stand mit eindrucksvollem Curved Screen und verschiedenen Exponaten. Gut gelernt von Google erstreckte sich die Vinfast-Aktivierung über das Messegelände hinaus und schloss prominente Medienflächen am Strip in Vegas ein.

Last but not least möchten wir Fisker nennen. Ein wirklich anspruchsvolles, fließendes Standdesign inspiriert vom Fisker Ocean, ein Fahrzeug, mit dem die Österreicher zu beeindrucken wussten. Innovationen wie Solar-Roof oder ein Wende-Display trafen den Nerv der CES-Zielgruppe und punkteten entsprechend.

So. Und was ist nun mit den großen deutschen Playern? Wirklich keiner da? Doch – BMW war da. Und das sogar ordentlich. Auf ihrem Stammplatz, dem Außengelände vor der Central Hall des LVCC erwarteten die Münchner ihre Gäste. Talk of Town war zweifelsohne die Designstudie BMW iX Flow. Das hightech-folierte Showcar wechselte vor den Augen der Gäste seine Karosserie-Farbe. Ein guter Anfang, der Lust auf mehr machte. Also nahmen wir an einer Tour teil, welche uns in den Cube führte, wo wir an getrackten Medienaktvierungen teilnahmen. Im Außenbereich warteten diverse weitere Aktionen, eine Lounge und auch fahrdynamische Experiences auf uns. Alles sehr gut und covid-konform organisiert. Und auch als Agentur des Wettbewerbs hat man uns wirklich herzlich willkommen geheißen. Ebenfalls muss erwähnt werden, dass wirklich an jeder Station Spezialist*innen zur Stelle waren, die auch gerne tiefer in die Thematik eingestiegen sind. Alles in allem: ‚a wirklich saubere G’schicht, BMW‘ (ich komme aus Bayern, ich darf das).

Und dann waren die drei Tage auch schon wieder vorbei. Auf den Rückflug ging es frisch PCR-getestet. Ebenfalls proaktiv durch die CES organisiert.

Und nun die Fragen aller Fragen: War es die Reise wert? Auf jeden Fall! Zum einen waren wir zweimal geimpft + geboostert, und um es mit den Worten des Cosmopolitan von Las Vegas zu sagen: it was „just the right amount of wrong“. Auch wenn das polarisieren mag, aber Gary Shapiro hat schon ein wenig Recht, wenn er sagt, dass Innovation oft unbequem, mit Risiko verbunden und auch mal ein wenig messy ist. Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber in der Komfortzone gibt es wenig zu gewinnen. Und es hat sich gezeigt, dass Mut auch belohnt wird. Sei es durch circa 60 Prozent CES PR-Share, den sich BMW sichern konnte, oder durch ernsthafte Wahrnehmung neuer Marken von der Innovationszene.

Klar kann ich auch jeden verstehen, der sagt, in dieser Zeit dort hinzufliegen ist zu gefährlich und das respektiere ich zu 100 Prozent. Aber Corona ist Fakt und wird auch morgen nicht verschwunden sein. Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben. Entsprechend kann ich nur anregen, mutig zu sein und – liebe Markenunternehmen – sprecht mit euren Agenturen und Partnern. Entwickelt gute Covid-Präventionen sowie Resilienz-Strategien, man sieht ja, dass es geht. Und seid mit von der Partie – sonst machen es andere.

Take care. Ron

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