Start Business fwd: Wer nicht sichtbar ist, wird politisch ignoriert

fwd: Wer nicht sichtbar ist, wird politisch ignoriert

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Die deutsche Veranstaltungswirtschaft erlebt seit Jahren, wie sehr wirtschaftspolitische Entscheidungen von Daten und messbaren Fakten abhängen. Spätestens in der Coronakrise wurde deutlich, dass nur jene Branchen wahrgenommen und unterstützt werden, die in Statistiken und Berichten klar auftauchen. Für die Unternehmen der Livekommunikation hatte dies gravierende Folgen: Hilfsprogramme griffen oft zu spät oder gar nicht, weil der Wirtschaftszweig in der amtlichen Wahrnehmung kaum vorkam.

Der Branchenverband fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft hat daraus Konsequenzen gezogen und eine umfassende Forschungsstrategie gestartet. Herzstück ist der HR- und Gehaltsreport, der von Juli bis Dezember 2025 bereits zum dritten Mal erhoben wurde. Nach den ersten Umfragen 2022 und 2023 entwickelt sich die Studie zum Standardwerk, wenn es um Arbeitsbedingungen und Einkommen in der Veranstaltungswirtschaft geht.

Die aktuelle Befragung wurde als Online-Studie durchgeführt und wissenschaftlich vom Research Institute for Exhibition and Live-Communication R.I.F.E.L. begleitet. R.I.F.E.L. arbeitet seit 2017 in Kooperation mit der Technischen Universität Chemnitz an Studien für den fwd:-Verband. An der Erhebung beteiligten sich 246 Unternehmen aus allen relevanten Segmenten der Branche. Vertreten waren Messebauer, Agenturen, Technikdienstleister, Locations, Eventausstatter, Caterer, IT-Dienstleister sowie Eventabteilungen von Unternehmen. Die Umsatz- und Beschäftigtenstrukturen der Teilnehmenden entsprechen laut Verband dem typischen Bild der Branche.

In den früheren Erhebungen wurden 178 Tätigkeits- und Berufsbilder identifiziert und präzise beschrieben. Diese Funktionen werden nun als sogenannte Skill-Positionen systematisch ausgewertet. In nahezu allen Unternehmen finden sich Geschäftsführer, Projektleiter und Projektmanager mit konzeptionellen und gewerblichen Aufgaben. Hinzu kommen Verwaltungsfunktionen wie Office-, Marketing-, HR- und Account-Manager, Nachhaltigkeits- und Umweltmanager sowie Assistenzpositionen für die Geschäftsführung.

Daneben zeigt die Studie zahlreiche spezialisierte Rollen, die typisch für die Veranstaltungswirtschaft sind. In Agenturen und Messebauunternehmen treten Art- und Creative-Direktoren auf. Technikdienstleister beschäftigen Fachplaner für Video, Ton, Licht und Design. Ausstattungsbetriebe setzen auf Lageristen, Logistiker und Disponenten. Locations melden unter anderem Gebäude- und Facility-Manager. Die Bandbreite der Berufsbilder unterstreicht den hohen Spezialisierungsgrad des Wirtschaftszweigs.

Bei den Gehältern verzeichnet die Studie seit 2022 eine moderate, aber kontinuierliche Steigerung. Insgesamt liegen die Einkommen in der Veranstaltungswirtschaft über den Durchschnittswerten, die etwa vom Jobportal Stepstone für den Gesamtmarkt ausgewiesen werden. Projektmanager erzielten laut fwd:-Studien 2022 und 2023 ein monatliches Gehalt von bis zu 3.815 Euro, in der aktuellen Auswertung 2025 bis zu 4.475 Euro. Der bundesweite Durchschnitt aller Branchen liegt hier bei 4.146 Euro. Einzelne Funktionen wie Art- und Creative-Direktoren überschreiten diese Marke noch deutlicher.

Die Branche gilt zudem als vergleichsweise jung. Flexible Arbeitszeitmodelle, gute Entwicklungsmöglichkeiten und ein breites Paket an Zusatzleistungen sind weitverbreitet. Dazu zählen unter anderem ein Mobiltelefon, Mitarbeiterevents, Weiterbildungsmöglichkeiten, Parkplätze, Arbeitskleidung, Firmenfahrräder und Firmenwagen. Bei den Urlaubstagen liegen die Technikdienstleister mit durchschnittlich 25,7 Tagen am unteren Ende, Messebauer kommen auf 28,7 Tage. Der allgemeine deutsche Schnitt liegt mit 29,8 Tagen etwas höher.

Auffällig sind die vergleichsweise geringen Fehlzeiten. Während Beschäftigte in Deutschland 2025 im Schnitt 22 Krankheitstage aufwiesen, liegen die Werte in der Veranstaltungswirtschaft deutlich darunter. Die Spannweite reicht von 5,3 Tagen bei gewerblichen Mitarbeitern in Agenturen bis 12,5 Tagen bei gewerblichen Kräften in Ausstattungsunternehmen.

Für fwd:-Geschäftsführer Alexander Ostermaier zeigt der HR- und Gehaltsreport, wie wichtig belastbare Daten geworden sind: Wer nicht in Zahlen und Fakten auftaucht, findet in politischen Entscheidungsprozessen kaum statt. Die Studie liefert deshalb nicht nur Argumente gegenüber der Politik, sondern bietet den Unternehmen auch interne Orientierungsgrößen für Personalplanung, Vergütungsmodelle und strategische Entscheidungen.

Der Verband plant, den HR- und Gehaltsreport künftig im zweijährigen Rhythmus fortzuführen und damit als feste Größe in der Veranstaltungswirtschaft zu etablieren. Eine Kurzfassung der aktuellen Ausgabe 2025 steht im Online-Shop des R.I.F.E.L.-Instituts zum Download bereit. Die vollständige Studie kann dort ebenfalls erworben werden. Unternehmen, die an der Befragung teilgenommen haben, erhalten nach Eingabe ihres individuellen Codes kostenfreien Zugriff auf die komplette Auswertung